«Ein kickboxender Einzelgänger»

Korrespondentin Silke Bigalke über die Stimmung in Dänemark nach den Terroranschlägen und den Attentäter von Kopenhagen.

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Was ist zwei Tage nach den Bluttaten von Kopenhagen über den Attentäter bekannt?
Die dänischen Medien graben laufend Informationen über den mutmasslichen Täter aus, die meisten sind jedoch noch unbestätigt. Demnach war der 22-jährige Omar Abdel Hamid al-Hussein ein kickboxender Einzelgänger, der wegen mehrerer Gewalttaten bereits der Polizei bekannt gewesen war. Beispielsweise war er 2013 in eine Messerstecherei verwickelt. Bestätigt ist auch, dass der Attentäter in Dänemark geboren wurde und im Bandenmilieu aufgefallen war. Auf der Liste potenzieller Syrien-Kämpfer des dänischen Geheimdienstes stand er offenbar nicht.

Ermittler gehen von politisch motivierten Anschlägen aus. Gibt es zuverlässige Hinweise auf einen islamistischen Hintergrund?
Bisher nicht. Die meisten Leute in Kopenhagen gehen aber davon aus, wie Strassenumfragen von Medien zeigen.

Was weiss man über mögliche Komplizen?
Am Sonntag sollen vier Männer in einem Internetcafé in Kopenhagen festgenommen worden sein. Ob sie etwas mit den Anschlägen zu tun haben, ist nicht bekannt. Die neuste Nachricht ist, dass sich zwei mutmassliche Helfer des Attentäters in Polizeigewahrsam befinden. Die Polizei informiert sehr zurückhaltend. Laut Medienberichten sollen die zwei Männer dem Attentäter Waffen besorgt haben.

Nach Terroranschlägen gibt es häufig Kritik an der Arbeit von Sicherheitsbehörden und Polizei. Ist das auch jetzt in Dänemark der Fall?
Die Polizei selber kritisiert, dass sie nicht gut genug ausgerüstet war für den Terroreinsatz. Sicherheitswesten passten oft nicht, und es gäbe zu wenig Schiesstraining, sagten Polizisten den dänischen Zeitungen. Bei den Anschlägen waren fünf Polizisten verletzt worden.

Jedem Anschlag folgen öffentliche Diskussionen über die angemessenen Reaktionen der Politik auf den Terror. Welches sind die Themen der dänischen Debatte?
Sicher wird sich in den nächsten Tagen die Diskussion darüber verschärfen, wie Dänemark mit muslimischen Bürgern und Einwanderern umgehen soll. Bereits vor den Anschlägen von Kopenhagen herrschte in Dänemark ein – im Vergleich zu den anderen skandinavischen Ländern – sehr aggressiver Ton. Politiker fordern besondere Einwanderungsregeln speziell für Muslime. Die dänische Regierung arbeitet derzeit an einem neuen Antiterrorgesetz, das beispielsweise neue Möglichkeiten zur Ausweisung von terrorverdächtigen Personen enthält.

Obwohl der politische Hintergrund der Kopenhagener Anschläge noch unklar ist, stellt sich die Frage nach der islamistischen Szene in Dänemark. Was ist dazu bekannt?
In der salafistischen Grimhoj-Moschee in Arhus fallen immer wieder Imame auf, die die Anliegen des Islamischen Staats (IS) unterstützen oder zumindest Sympathien für den IS äussern. Schätzungsweise kämpfen über hundert Leute aus Dänemark an der Seite des IS in Syrien und im Irak. Die Anschläge vom Samstag dürften die öffentliche Debatte über die Aktivitäten des IS in Dänemark zusätzlich anheizen. Im Moment konzentriert sich Kopenhagen noch auf die Aufarbeitung und die Trauer um die Opfer.

Erstellt: 16.02.2015, 12:14 Uhr

Silke Bigalke ist Skandinavien-Korrespondentin von Tagesanzeiger.ch/Newsnet.

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