Eine Freundin von vielen

Die Gefährtin des ermordeten russischen Politikers Boris Nemzow hat angeblich vor einem Jahr in Zürich eine Abtreibung vorgenommen.

War angeblich von Boris Nemzow schwanger: Anna Duritskaja. Foto: Daria Buznikova (AFP)

War angeblich von Boris Nemzow schwanger: Anna Duritskaja. Foto: Daria Buznikova (AFP)

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Nur etwas scheint sicher: Anna Duritskaja stand direkt neben dem Kremlkritiker Boris Nemzow, als dieser Freitagnacht erschossen wurde. Sonst weiss man wenig über die 23-jährige Ukrainerin, die als wichtigste Augenzeugin des Mordes gilt.

Sofort begannen die Spekulationen darüber, welche Rolle der «mysteriösen Schönheit» in der Geschichte zukommt. Die russischen Behörden gaben am Samstagmorgen bekannt, sie sei nicht tatverdächtig. Russische Medien dagegen spekulieren, Boris Nemzow sei womöglich Opfer «privater Probleme» geworden. Dies sei ein reines Ablenkungsmanöver, entgegneten ukrainische Zeitungen.

Drei Tage lang hatten die russischen Behörden Duritskaja festgehalten und verhört, bevor sie diese am Montagabend in einen Privatjet setzten und nach Kiew ausflogen. Russische und ukrainische Medien beschönigten die Ankunft als «Rückkehr in die Heimat». Die junge Frau müsse zurückkommen, «um ihre erkrankte Mutter zu versorgen».

Kurz nach der Landung gab Anna Duritskaja ein Interview über Skype. Sie wirkte verunsichert durch den Mord und ihre plötzliche Berühmtheit. Ihre Mutter wiederholte, wie wichtig es sei, dass «Anna endlich nach Hause kommt». Boris Nemzow sei deren «erste grosse Liebe» gewesen. Auch die ukrainischen Behörden werden sie zum Tathergang befragen. Woran sich Duritskaja erinnert, bleibt unklar. Manche Medien behaupten, sie habe die Täter beschrieben. Duritskaja selber sagte im Interview: «Ich fühle mich schrecklich. Ich habe niemanden gesehen, ich weiss nicht, wo die Mörder herkamen; sie befanden sich hinter meinem Rücken.»

Duritskaja brach vor drei Jahren Richtung Moskau auf. Aufgewachsen in Bila Zerkwa, einer Kleinstadt rund 30 Kilometer von Kiew entfernt, hatte sie in der ukrainischen Hauptstadt Wirtschaft studiert. Nach dem Abschluss versuchte sie offenbar, sich als Schauspielerin oder TV-Moderatorin zu etablieren. Boris Nemzow soll sie bereits vor vier Jahren in Kiew kennen gelernt haben, während sie als Model durch Nobeldiscos und teure Restaurants tingelte.

Einiges weist darauf hin, dass Anna Duritskaja als Prostituierte arbeitete. In Kiew, Minsk, St. Petersburg und Moskau gibt es scharenweise junge Frauen, die sich zahlungskräftigen Kunden als «Freundin» anbieten. In Ländern wie der Ukraine oder in Russland gehört es fast zur Normalität, dass sich Männer mit viel Geld solche Freundinnen halten. Boris Nemzow soll Duritskaja mit teurem Parfüm, Designerkleidung, Schmuck und Besuchen in Edelrestaurants versorgt haben. Das englischsprachige russische Internetportal Observer behauptet sogar, die junge Frau sei von Nemzow schwanger gewesen. Sie sei im Dezember 2013 in eine Klinik nach Zürich gereist, um dort eine Abtreibung vorzunehmen.

Boris Nemzow hatte vier Kinder von drei verschiedenen Frauen. Von seiner Gattin Raisa, die er vor über 20 Jahren heiratete, hat er sich nie scheiden lassen. Als der Oppositionspolitiker vor fünf Jahren seinen 50. Geburtstag feierte, lud er alle Frauen und alle Kinder zu einer gemeinsamen Party ein. Für die russischen Medien galt das Treffen damals als Skandal.

Duritskajas Anwalt erklärte gestern, seine Mandantin würde «erst mal nach Hause gebracht». Wo sich die junge Frau derzeit aufhält, ist unbekannt.

Erstellt: 03.03.2015, 19:52 Uhr

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