Eine Tragödie – und ein streng gehütetes Geheimnis

Vor zehn Jahren sank das russische Atom-U-Boot Kursk. Hinterbliebene und die Marine gedachte der 118 Todesopfer. Doch noch immer sind viele Fragen offen.

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In Kursk, Murmansk und St. Petersburg legten Angehörige Blumen an Gräbern und Denkmälern für die Toten nieder. Marinesoldaten gaben zu Ehren der toten Seemänner drei Salutschüsse ab. Die russische Militärführung habe sehr ernste Lehren aus der Tragödie gezogen, sagte der frühere Kommandant der Nordflotte, Wjatscheslaw Popow, nach Angaben der Nachrichtenagentur Interfax am Donnerstag. Es sei viel Technik angeschafft worden. «Die Rettungsmöglichkeiten sind heute bedeutend besser als vor zehn Jahren», sagte er.

Nach einer Explosion war die Kursk, eines der damals modernsten Schiffe der russischen Flotte, am 12. August 2000 in der Barentssee gesunken. Laut einem Abschlussbericht der Regierungskommission hatte ein defekter Torpedo letztlich die Detonation ausgelöst.

Putin: «Sie sank»

Viele Fragen bleiben aber offen. Der Grossteil des Reports ist als streng geheim klassifiziert. So ist etwa nicht bekannt, wieso ein maroder Sprengkörper überhaupt an Bord gelangen konnte. Der damalige Präsident Wladimir Putin antwortete im September 2000 auf die Frage nach dem Untergang der «Kursk» nur: «Sie sank».

Nun, am 10. Jahrestag, gab es weder vom heutigen Regierungschef Putin noch von Präsident Dmitri Medwedew eine Stellungnahme. Schon am ersten Jahrestag der Katastrophe hatte der Kreml Journalisten Nahaufnahmen von Trauernden und Interviews mit ihnen untersagt. Das Schiff war von den niederländischen Firmen Mammoet und Smit Internationale am 8. Oktober 2001 gehoben worden.

Kritik an der Marine

Die Verantwortlichen der Katastrophe und die Hintergründe wurden nie benannt. Die Justiz hatte das Strafverfahren gegen die Marineführung noch vor dem ersten Jahrestag eingestellt. «Der Verlust der 'Kursk' war ein direktes Resultat der Nachlässigkeit des Flottenkommandos», sagte der Rechtsanwalt Boris Kusnezow, der zwischenzeitlich einige Angehörige vertreten hatte, «aber als die Frage nach der juristischen Schuld auftauchte, gab es die politische Entscheidung, keine Aufmerksamkeit zu erregen.»

Die Familien der Opfer bekamen je 720'000 Rubel als Entschädigung; dies entspricht heute 25'000 Franken. Es war das erste Mal, dass die Regierung «das Schweigen der Angehörigen erkaufte», wie die kremlkritische «Nowaja Gaseta» schreibt. Die Regierungszeitung «Rossijskaja Gaseta» schrieb am Donnerstag, der Untergang der «Kursk» bleibe ein Rätsel. (raa/sda)

Erstellt: 12.08.2010, 16:21 Uhr

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