Kommentar

Einfach Sorry sagen

Alice Schwarzer hat Geld vor dem deutschen Staat versteckt. Anstatt sich zu entschuldigen, stellt sie sich als Opfer dar.

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Eine erfolgreiche deutsche Unternehmerin hat jahrzehntelang Geld auf einem Schweizer Bankkonto gebunkert und auf die Erträge keine Steuern bezahlt. Aufgeschreckt durch die härtere Gangart des heimischen Fiskus reicht sie eine Selbstanzeige ein, muss eine Busse bezahlen, ist dafür aber juristisch fein raus. So weit, so banal. Zehntausende solcher Geschichten haben sich in Deutschland ereignet.

Doch bei dieser Steuersünderin handelt es sich um Alice Schwarzer. Die streitbare Feministin hat sich um die Frauenbewegung grosse Verdienste erworben. Sie kämpfte für ein Recht auf Abtreibung, stellte sich schützend vor unterdrückte Frauen. Zuletzt startete sie eine Kampagne gegen die Prostitution. Schwarzer fordert von der Gesellschaft ein radikales Umdenken.

Kognitive Blockade

Nur wenn es um sie selbst geht, dann leidet sie offenbar an einer kognitiven Blockade. Zwar gesteht die Publizistin in einem Blog-Eintrag, das Konto in der Schweiz sei ein Fehler gewesen, den sie «von ganzem Herzen» bedauere. Doch dann schaltet Schwarzer in den gewohnten Angriffsmodus. Die Publikation der Geschichte im «Spiegel» sei «illegal», schreibt sie; von «Denunzierung» ist die Rede und medialem «Dammbruch».

Schwarzer ist überzeugt, dass die Berichterstattung im Zusammenhang steht mit ihrer politischen Arbeit als Feministin. Sie behauptet sogar, sie habe das Konto nur eröffnet, weil sie damals in Deutschland einer derartigen «Hatz» ausgesetzt gewesen sei, «dass ich ernsthafte dachte: Vielleicht muss ich ins Ausland gehen.»

Unangenehm und peinlich

Mit anderen Worten: Schwarzer stellt sich als Opfer dar. Das ist lächerlich. Kein Mensch musste in den Achtzigerjahren die BRD aus politischen Gründen verlassen. Schon gar nicht brauchte man Fluchtkapital im Ausland. Und dass über prominente Steuersünder berichtet wird, ist nicht neu. FC-Bayern-Präsident Hoeness, Ex-«Zeit»-Herausgeber Sommer, Ex-Postchef Zumwinkel: Sie alle haben erfahren, wie es ist, wenn man beim Schummeln erwischt wird. Unangenehm, peinlich. Am besten sagt man einfach: Sorry. Und hält die Klappe. Auch Alice Schwarzer. Vor dem Steuervogt und dem Medienrummel sind alle gleich(berechtigt).

Erstellt: 03.02.2014, 18:17 Uhr

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