«Er brachte Licht in die finstersten Räume»

Mit einem gigantischen Staatsbegräbnis wird dem früheren tschechischen Staatspräsidenten Vaclav Havel die letzte Ehre erwiesen. Auch die Schweiz wurde durch eine Delegation vertreten.

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Mit einem ergreifenden Staatsakt hat Tschechien Abschied genommen von seinem gestorbenen Ex-Präsidenten Vaclav Havel. Zahlreiche Staatsgäste aus aller Welt nahmen an dem Anlass im Prager Veitsdom teil. Vor dem Beginn der Messe läuteten in Prag die Kirchenglocken und die Sirenen heulten. Viele Menschen auf den Strassen hielten für eine Gedenkminute inne, manche von ihnen mit Tränen in den Augen.

«Für dich war der Kampf um Freiheit immer nur ein Mittel zu etwas Höherem, zur Wahrheit», sagte die in Prag geborene frühere US-Aussenministerin Madeleine Albright in ihrer auf Tschechisch gehaltenen Trauerrede.

«Licht in finstere Räume gebracht»

Aussenminister Karel Schwarzenberg betonte in seiner Trauerrede, eine Gesellschaft dürfe nie nachlassen im Streben um Wahrheit und Liebe. Dies sei eine der zentralen Botschaften von Havel, sagte der Adelige, der einst Kanzleichef des Staatschefs war.

«Wir werden ihn schrecklich vermissen, aber wir werden ihn nie vergessen», sagte die in Prag geborene frühere US-Aussenministerin Madeleine Albright in ihrer auf Tschechisch gehaltenen Trauerrede. «Der Weltbürger Havel brachte Licht in die finstersten Räume.» Staatspräsident Vaclav Klaus würdigte als dritter Trauerredner seinen Vorgänger als grosse Persönlichkeit, die Tschechien viel hinterlasse.

Den Gottesdienst im Veitsdom leiteten der Prager Erzbischof Dominik Duka und Weihbischof Vaclav Maly. Beide hatten zu kommunistischer Zeit in der damaligen Tschechoslowakei wie Havel aus politischen Gründen in Haft gesessen.

Staatsgäste aus aller Welt

An dem gut zweistündigen Staatsakt nahmen ausser Havels Witwe Dagmar und seinem Bruder Ivan auch Staatsgäste aus aller Welt teil – unter ihnen US-Aussenministerin Hillary Clinton, der britische Premierminister David Cameron, der deutsche Bundespräsident Christian Wulff und der französische Staatschef Nicolas Sarkozy.

Auch Ex-US-Präsident Bill Clinton, Polens Ex-Präsident Lech Walesa und EU-Parlamentspräsident Jerzy Buzek waren nach Prag gereist. Die Schweiz schickte die künftige Bundespräsidentin Eveline Widmer-Schlumpf nach Prag.

Telegramm vom Papst

Die Trauerfeier diene vor allem dazu, Havel für sein Wirken zu danken, sagte Duka. Tschechiens Präsident und Havels früherer politischer Gegenspieler Vaclav Klaus würdigte den Verstorbenen als «einen Mann, an den wir uns mit Anerkennung und Respekt erinnern werden».

In einem während der Messe verlesenen Telegramm an Staatschef Klaus nannte Papst Benedikt XVI. Havel einen grossen Politiker, «der die Menschenrechte zu einer Zeit verteidigte, in der sie systematisch missachtet wurden».

Anführer der samtenen Revolution

Nach der Messe erklangen vom nahen Petrin-Hügel 21 Salutschüsse, und sechs Soldaten einer Ehrengarde trugen den Sarg zu einem Fahrzeug. Eine grosse Trauermenge vor dem Veitsdom würdigte den gestorbenen Staatschef mit Händeklatschen, als der Wagen vorbeifuhr und das Areal der Burg verliess. Havel wird zu einem späteren Zeitpunkt im Kreis von Familie und Freunden beigesetzt.

Havel war am vergangenen Sonntag im Alter von 75 Jahren nach langer Krankheit gestorben. Er war einer der Anführer der Samtenen Revolution des Jahres 1989, mit der die kommunistische Führung der damaligen Tschechoslowakei gestürzt wurde. Havel wurde im selben Jahr zum Präsidenten gewählt und übte das Amt bis zum Jahr 1992 aus. Nach der Teilung des Landes war er in den Jahren 1993 bis 2003 Staatschef Tschechiens. Auch in der Slowakei herrschte heute Freitag Staatstrauer. (mrs/AFP)

Erstellt: 23.12.2011, 18:26 Uhr

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