Eurogruppenchef hält Zypern-Methode auch für andere Länder denkbar

Jeroen Dijsselbloem kann sich vorstellen, dass künftig auch in anderen Krisenländern die Anleger bezahlen müssen. Die Börse sackte nach der Äusserung des Eurogruppenchefs ab.

Hält das Vorgehen in Zypern für einen Wendepunkt: Euro-Gruppenchef Jeroen Dijsselbloem (mitte).

Hält das Vorgehen in Zypern für einen Wendepunkt: Euro-Gruppenchef Jeroen Dijsselbloem (mitte). Bild: Keystone

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Wie in Zypern will Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem auch bei künftigen Bankenrettungen die Anteils- und Anleiheinhaber sowie die Anleger an den Kosten beteiligen.

Dijsselbloem hält das Vorgehen auf Zypern für einen Wendepunkt im Kampf gegen die Schulden- und Bankenkrise im Währungsraum. Kämen Institute künftig ins Trudeln, sei die Hilfe der Euro-Partner nicht automatisch garantiert, sagte Dijsselbloem. Stattdessen müssten Aktionäre, Gläubiger und Kunden der Institute ihren Teil beitragen. Dies sagte Dijsselbloem in einem Interview mit der Nachrichenagentur Reuters.

Die Eigentümer und Investoren von Banken müssten Verantwortung übernehmen, bevor öffentliches Geld oder ein anderes staatliches Rettungsinstrument in Betracht kämen, sagte der Niederländer.

Börse reagierte negativ

Die Eurogruppe hatte Zypern am Montag zehn Milliarden Euro Hilfskredite versprochen. Im Gegenzug muss der Inselstaat eine grosse Bank zerschlagen und Anteilseignern und Einlegern mit Vermögen über 100'000 Euro erhebliche Verluste zumuten. EU-Vertreter hatten dies als einzigartige Massnahme bezeichnet.

Nachdem Dijsselbloems Äusserungen an den Finanzmärkten für Unruhe gesorgt hatten, stellte er in einer Mitteilung klar, dass er Zypern für einen «spezifischen Fall mit aussergewöhnlichen Herausforderungen» halte. «Makroökonomische Anpassungsprogramme sind auf die Situation im jeweils betroffenen Land zugeschnitten, und es werden keine Modelle oder Vorlagen benutzt», fügte er hinzu. Anleger warfen jeodch am Montag in Europa und den USA ihre Finanztitel aus den Portfolios.

In Europa sind Bankeinlagen bis 100'000 Euro garantiert. Bei der Zypern-Rettung werden die Inhaber grosser Bankvermögen jedoch gezwungen, Verluste hinzunehmen.

(mrs/sda)

Erstellt: 25.03.2013, 23:15 Uhr

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