Europas Mächtige müssen liefern

Es geht auch um das verheerende Signal, das Europa mit einer Staatspleite in Griechenland aussenden würde.

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Europas Mächtige wirken derzeit ganz schön ohnmächtig. Diese Woche treffen sich die Staats- und Regierungschefs gleich zweimal in Brüssel. Die Krisenmanager halten Dauergipfel zu Griechenland. Es sei nicht mehr fünf Minuten, sondern nur noch dreissig Sekunden vor zwölf, sagte gestern ­einer der Gipfelteilnehmer.

Tatsächlich bleibt kaum Zeit für die Einigung zwischen Griechenland und den europäischen Partnern. Es darf jetzt nichts mehr schiefgehen. Sonst kommt es doch noch zum GAU, dem unkontrollierten Austritt Griechenlands aus der Eurozone.

Griechenland hat gepokert bis zum Schluss, und die Geldgeber haben auf ihre Spielregeln gepocht. Jetzt müssen beide Seiten ihre Verantwortung wahrnehmen. Die Regierung in Athen will der Bevölkerung keine Sparauflagen mehr zumuten. Doch ohne Deal mit den Geldgebern droht noch mehr Austerität und vor allem der Absturz ins Chaos für ein ganzes Land. Griechenland hat viel Zeit verloren. Was jetzt als Angebot auf dem Tisch liegt, hätte die Regierung in Athen schon vor Monaten präsentieren können.

Die Chancen auf eine Einigung sind jetzt so gut wie noch nie, seitdem die linksradikale Syriza an die Macht gekommen ist. Die Geldgeber könnten der Regierung in Athen nun zum Beispiel in Aussicht stellen, die Rückzahlung der Schulden noch stärker zu strecken.

Es darf jetzt aber nicht mehr nur um Zahlen gehen. Es geht auch um das verheerende Signal, das Europa mit einer Staatspleite in Griechenland aussenden würde. Die Staats- und Regierungschefs können es sich gar nicht leisten, zu scheitern. Sie müssen eine Lösung mit Griechenland finden, um sich wieder den wirklichen Problemen des Kontinents zuwenden zu können. Merkel und Co. haben sich mit ihrem Dauergipfel diese Woche selber in Zugzwang gebracht. Europas Mächtige müssen jetzt liefern.

Erstellt: 22.06.2015, 23:27 Uhr

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