Experten warnen vor «grauer Wohnungsnot»

In Deutschland gibt es immer mehr Pflegefälle, was zu einem akuten Mangel an altersgerechten Wohnungen führt. Über 200'000 Rentnern droht nun die Abschiebung in ein Altersheim.

In Deutschland herrscht Wohnungsmangel für Rentner: Seniorinnen einer Seniorenwohnanlage in Sachsen.

In Deutschland herrscht Wohnungsmangel für Rentner: Seniorinnen einer Seniorenwohnanlage in Sachsen. Bild: Keystone

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Angesichts der erwarteten Zunahme von Pflegefällen warnen Mieterbund und Wohnungswirtschaft vor einer «grauen Wohnungsnot». Für die geschätzten 500'000 zusätzlichen Pflegebedürftigen in den kommenden zehn Jahren stünden nicht annähernd genügend seniorengerechte und leicht zugängliche Wohnungen zur Verfügung. Wenn sich nichts ändere, müssten etwa 245'000 dieser Menschen statt zuhause im Heim betreut werden, heisst es in einer am Mittwoch veröffentlichten gemeinsamen Erklärung.

Dahinter stehen der Deutsche Mieterbund, diverse Verbände der Bau- und Wohnungswirtschaft sowie die IG Bauen-Agrar-Umwelt. Sie beriefen sich auf Berechnungen des Statistischen Bundesamts wonach die Zahl der Über-80-Jährigen in den nächsten zehn Jahren von 3,7 Millionen auf dann mehr als fünf Millionen steigen wird. Eine Studie des Pestel-Instituts habe zudem ergeben, dass die Zahl der Pflegefälle bis 2020 um gut eine halbe Million auf knapp 2,9 Millionen ansteigen werde.

Pflegeheim statt Alterswohnung

«Ohne seniorengerechte, barrierearme Wohnung werden auch diejenigen ins Pflegeheim gehen müssen, die eigentlich gut zuhause betreut werden könnten», erklärte IG BAU-Chef Klaus Wiesehügel. «Angesichts der Tatsache, dass ein stationärer Pflegeplatz heute schon rund 1500 Euro pro Monat teurer ist als die ambulante Pflege in den eigenen vier Wänden, bedeutet das erhebliche Zusatzkosten für die Sozialkassen.»

Die Verbände fordern Neubau und Sanierung von seniorengerechten Wohnungen «im grossen Stil». «Die Weichen für ein gutes seniorengerechtes Wohnangebot müssen jetzt gestellt werden», meinte Mieterbund-Direktor Lukas Siebenkotten. Er rief Bund und Länder auf, das Problem anzugehen.

(mrs/dapd)

Erstellt: 29.12.2010, 14:26 Uhr

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