Falklandkrieg: Die nicht so eiserne Lady

Erstmals freigegebene Dokumente zeigen, dass Margaret Thatcher einen militärischen Konflikt vermeiden wollte und eine diplomatische Lösung anstrebte.

20 Jahre nach dem Sieg: Margaret Thatcher und der ehemalige Falkland-Gouverneur Rex Hunt an einer Gedenkzeremonie im Juni 2002.

20 Jahre nach dem Sieg: Margaret Thatcher und der ehemalige Falkland-Gouverneur Rex Hunt an einer Gedenkzeremonie im Juni 2002. Bild: Keystone

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Der Krieg um die Falklandinseln gilt als eine der entscheidenden Episoden in Margaret Thatchers Amtszeit als britische Premierministerin (1979–1990). Am 2. April 1982 landeten argentinische Truppen auf den kaum verteidigten Inseln, zehn Wochen später eroberte die britische Armee die Falklandinseln zurück. Auf den britischen Inseln trug der Sieg zur Zementierung von Thatchers Herrschaft bei.

Bis heute wird der konservativen Premierministerin allerdings vorgeworfen, den Krieg provoziert zu haben, um von der Wirtschaftskrise im Land und vom Streit um ihr drastisches Sparprogramm abzulenken. An diplomatischen Verhandlungen unter Vermittlung der USA soll Thatcher wenig Interesse gehabt haben.

Dieses Bild wird nun korrigiert. Wie die Zeitung «Guardian» schreibt, sei Margaret Thatcher durchaus bereit gewesen, mit Argentinien zu verhandeln, um einen militärischen Konflikt um die wirtschaftlich kaum relevanten Inseln zu vermeiden. Die Zeitung zitiert aus Regierungspapieren, wonach Thatcher und ihre Minister eine argentinische Präsenz auf den Inseln unter gewissen Voraussetzungen geduldet hätten.

Diplomatische Lösung angestrebt

In Dokumenten wird Thatcher zwei Wochen nach der argentinischen Invasion mit den Worten zitiert, dass eine «diplomatische Lösung» ein «erheblicher Gewinn» wäre. Thatcher soll bereit gewesen sein, die Souveränität der Inseln, sofern die Bewohner einverstanden seien, abzutreten. Die Verhandlungen scheiterten allerdings an der Kompromisslosigkeit der argentinischen Militärjunta. Die Enthüllung, dass Thatcher eine friedliche Lösung des Falkland-Streits anstrebte, wurde möglich, da Regierungsdokumente nach einer Frist von 30 Jahren eingesehen werden dürfen.

Ein erneuter Krieg um die Falklandinseln gilt heute übrigens als unwahrscheinlich, auch wenn sich die politische Lage zuletzt verschärft hat. Die Spannungen sind eine Folge der jüngsten Ölfunde in Falkland-Gewässern, wütender argentinischer Attacken auf die Kompromisslosigkeit der Briten in Sachen Falkland-Souveränität und diverser lateinamerikanischer Boykottmassnahmen gegen Falkland-Schiffe. Argentinien besteht auf Verhandlungen zur Hoheit über die Inseln, die es für sich beansprucht. London lehnt solche Verhandlungen ab. (lü)

Erstellt: 28.12.2012, 13:37 Uhr

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