Fotograf bittet nach Berlusconi-Skandal um politisches Asyl

Antonello Zappadu hatte pikante Fotos vom Ministerpräsident in seinem Archiv. Seine Bilder wurden beschlagnahmt, seinen Job hat er verloren - jetzt sucht er um politisches Asyl in Spanien an.

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Der italienische Fotoreporter Antonello Zappadu, der im vergangenen Jahr mit pikanten Bildern von Poolpartys in Silvio Berlusconis Privatvilla für Aufregung gesorgt hat, will in Spanien um politisches Asyl bitten. «Ich verlasse Italien, weil ich mich wegen meiner journalistischen Arbeit politisch verfolgt fühle», sagt Zappadu. Vergangenes Jahr veröffentlichte Zappadu in der spanischen Tageszeitung «El Pais» Fotos mit leicht bekleideten Damen in Berlusconis Villa Certosa und sorgte damit für einen ausgewachsenen Skandal. Abgebildet war auch er ehemalige tschechische Premierminister Mirek Topolanek.

Zappadu klagt, dass er von der Verlagsgruppe entlassen worden sei, für die er als Fotograf arbeitete. Das Archiv mit seinen Fotos sei von den Staatsanwälten vor einem Jahr beschlagnahmt und ihm nicht mehr zurückgegeben worden. Der Fotograf war von Berlusconi wegen Betrugs angezeigt, jedoch von diesem Vorwurf entlastet worden. «Ich vermutete, dass ich in diesem Spiel mit Berlusconi Probleme haben würde. Jetzt weiss ich es mit Sicherheit», sagte Zappadu nach Angaben der italienischen Tageszeitung «La Repubblica» am Montag.

Von Vorwürfen freigesprochen

Die römische Staatsanwaltschaft hatte im Juni 2009 die Konfiszierung von Zappadus Bilder beschlossen, nachdem Berlusconis Rechtsanwalt Nicolo Ghedini den Fotografen wegen Betrugs und Verletzung der Privatsphäre angezeigt hatte. Der Premierminister hatte sich an die italienische Behörde zum Schutz der Privatsphäre gewandt, um die Veröffentlichung der rund 700 Bilder zu verhindern, die in Berlusconis Villa zwischen Mai 2008 und Anfang 2009 geschossen worden waren. Vom Vorwurf wurde Zappadu freigesprochen, aber die Bilder bekam er nicht zurück.

Darunter waren auch Fotos der Silvesterparty 2008/2009 in Berlusconis Villa, an der auch die damals 17-jährige Neapolitanerin Noemi Letizia anwesend war. Die junge Dame stand im Mittelpunkt des Scheidungsverfahrens, das Berlusconis Ehefrau Veronica Lario gegen den Medienzaren angestrengt hatte. Die Bilder, die Zappadu zum Verhängnis geworden sind, waren nicht so sehr wegen ihres Motivs, sondern wegen dem Zeitpunkt und den Umständen der Veröffentlichung brisant. Während frühere Fotos von Berlusconi mit leicht bekleideten Mädchen von der Öffentlichkeit nicht weiter beachtet wurden, traten denjenigen in «El Pais» einen Skandal los - auch wegen Letizia. Die junge Dame stand im Mittelpunkt des Scheidungsverfahrens, das Berlusconis Ehefrau Veronica Lario gegen den Medienzaren angestrengt hatte. Die Berlusconi-Gattin regte sich öffentlich über das «schamlosen Polit-Luder» auf, die vergangenes Jahr auf einer Europa-Wahlliste von Berlusconis PDL erschienen war.

(mcb)

Erstellt: 01.06.2010, 13:53 Uhr

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