Frankreich hat Strauss-Kahn bereits freigesprochen

Obwohl im Fall DSK noch kein richterlicher Entscheid gefallen ist, geht man in Frankreich bereits von einem Freispruch aus. Und es wird über die weiteren Schritte von Strauss-Kahn spekuliert – als Politiker.

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Ob eine Vergewaltigung stattgefunden hat oder nicht, scheint zum jetzigen Zeitpunkt für die französische Presse irrelevant. Viel wichtiger ist, wie es mit Dominique Strauss-Kahn weitergeht.

So wird auch heute in den Medien hauptsächlich über eine Rückkehr DSKs in die Politik spekuliert und auch die Komplott-These beschäftigt nach wie vor die wichtigsten Tageszeitungen des Landes.

Wilde Theorien

So etwa die französische Tageszeitung «Le Parisien». Diese lässt den sozialistischen Parlamentarier François Loncle zu Wort kommen, der am Sonntag die Hypothese aufgestellt hat, wonach «Verbindungen» zwischen dem französischen Hotelunternehmen Accor, (zu dem das New Yorker Sofitel gehört, wo die DSK-Affäre stattgefunden hat) und «gewissen französischen Büros bestehen». Laut einer Quelle, sei am 14. Mai, eine Stunde nach DSKs Verhaftung, um 23.45 Uhr am Elysée-Palast ein Anruf der Accor-Gruppe eingegangen. Loncle will nun wissen, «wen die Sofitel-Leute angerufen haben».

Die Accor-Gruppe dementiert jedoch eine Intervention ihrerseits und unterstreicht, dass die Vorwürfe Loncles diffamierend seien. Heute, Montag, hat sich dann auch der Chef des französischen Geheimdienstes DCRI («Direction centrale du renseignement intérieur) Bernard Squarcini in der französischen Tageszeitung «Le Monde» zu Wort gemeldet: «Ich hatte noch nie mit dem Sofitel-Hoteldirektor – den ich nicht einmal kenne - oder sonst einem Verantwortlichen der Accor-Gruppe zu tun.»

«Die Flammen der amerikanischen Justizhölle»

Nachdem die linke Tageszeitung «Libération» im Mai mit «DSK out» Dominique Strauss-Kahns Präsidentschafts-Ambitionen zunichte machte, brachte sie heute mit «DSK Back?» den gefallenen Kanditaten wieder ins Spiel. «Was hindert ihn daran?», fragt sich die Zeitung und liefert auch gleich die Antwort zu ihrer rethorischen Frage: Nichts. Denn nachdem er «die Flammen der amerikanischen Justizhölle erlebt hat, könnte sich DKS unverwundbar fühlen» und somit auch eine Kandidatur anstreben.

Ex-Parteichef der Sozialisten, François Hollande, schlägt darum bereits vor, die Frist für die Kandidaten der Vorwahl vom 13. Juli um einige Wochen, «auf Ende Juli oder sogar Ende August zu verschieben». (Fünf Tage später, am 18. Juli, muss sich Strauss-Kahn in New York voraussichtlich erneut vor Gericht verantworten). Mit einer Fristenverlängerung hätte Strauss-Kahn gute Chancen, den Präsidentschafts-Wahlkampf anzutreten.

Keine Freude an der aktuellen Wende dürfte Präsidenschaftskandidatin Martine Aubry haben, die sich gegen das Etikett der «Ersatz-Kandidatin» wehrt. So hält sie auch vehement an einer Kandidatur ihrerseits fest. «Man nimmt so eine Entscheidung nicht auf die leichte Schulter», sagt sie dem «Parisien» und unterstreicht, dass sie «bien sûr» weiterhin im Rennen bleiben wird.

Erstellt: 04.07.2011, 14:08 Uhr

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