Frankreich setzt Streik fort – Warnung auch für Deutschland

Die Verkehrsbetriebe in Frankreich kündigen weitere Streiks für morgen Mittwoch an. Derweil bereitet sich auch Deutschland auf eine bundesweite Protestwelle vor.

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Die Streiks gegen die Rentenreform in Frankreich drohen das Land auf längere Zeit zu lähmen. Die Pariser Verkehrsbetriebe RATP beschlossen am Dienstag, ihren Ausstand auch am Mittwoch fortzusetzen.

Bereits am Dienstag fuhr auf mehr als der Hälfte der Metrolinien der Hauptstadt nur jeder zweite Zug. Auch die Eisenbahner wollen ab Mittwoch täglich entscheiden, ob der Streik weitergeht. Laut der Gewerkschaft CGT folgte am Dienstag mehr als die Hälfte der Eisenbahner dem Aufruf, die Arbeit niederzulegen.

Deutschland bereitet sich vor

Auch Deutschland bereitet sich auf einen Streik vor: Die Gewerkschaften Transnet und GDBA kündigten am Dienstag mehrstündige Arbeitsniederlegungen für die übernächste Woche an. Damit wollen sie ihren Forderungen im Tarifkonflikt mit der Deutschen Bahn AG und anderen Anbietern regionalen Zugverkehrs Nachdruck verleihen.

Sprecher der beiden Gewerkschaften bezeichneten auf einer Pressekonferenz in Fulda das letzte Lohnangebot der privaten Verkehrsunternehmen im Tarifkonflikt als «nicht annehmbar». Die Warnstreiks sollen die Deutsche Bahn, ihre Töchter und private Verkehrsunternehmen gleichermassen treffen. Transnet und GDBA streiten seit Monaten für einen Branchentarifvertrag, um zu verhindern, dass der Wettbewerb auf der Schiene über die Löhne ausgetragen wird.

40 Prozent Beteiligung

In Frankreich schlagen die Proteste hohe Wellen: Die Leitung der Staatsbahn SNCF sprach von einer Beteiligung von 40 Prozent, mehr als beim vorangegangenen Streiktag am 23. September. Von den Hochgeschwindigkeitszügen TGV, die zwischen Paris und der Provinz verkehren, fuhr nur jeder dritte.

Am Pariser Flughafen Orly fiel jeder zweite Flug aus, am Hauptstadtflughafen Charles de Gaulle war es jeder dritte. Auch Schulen und Postämter blieben geschlossen.

Laut Bildungsministerium legte etwa jeder fünfte Lehrer die Arbeit nieder, laut Gewerkschaften war es fast jeder zweite. Bei der Post beteiligten sich nach Angaben der Arbeitgeber 16 Prozent der Mitarbeiter, nach Gewerkschaftsangaben 30 Prozent.

145'000 Leute in Toulouse

Am Nachmittag war in Paris eine weitere Grosskundgebung geplant, landesweit erwarteten die Gewerkschaften mehr als drei Millionen Menschen zu den Protestaktionen. In Toulouse versammelten sich am Vormittag laut Gewerkschaften 145'000 Menschen, den Behörden zufolge waren es 30'000.

Zentraler Punkt der Rentenreform, die derzeit im Senat debattiert wird, ist die Anhebung des Renteneintrittsalters von 60 auf 62 Jahre. Die Regierung schloss weitere Zugeständnisse am Dienstag aus. Vergangene Woche hatte die Regierung kleinere Zugeständnisse etwa bei der Rente für Mütter von drei Kindern gemacht.

(mrs / pbe / jak/sda)

Erstellt: 12.10.2010, 16:18 Uhr

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