Frankreich streikt – Züge in die Schweiz fallen aus

Mit landesweiten Streiks demonstrieren die Gewerkschaften in Frankreich erneut gegen die geplante Rentenreform der Regierung. Fast die Hälfte der Flug- und Zugverbindungen müssen gestrichen werden.

Das Feindbild der Gewerkschaften: Ein Demonstrationsplakat gegen Nicolas Sarkozys geplante Rentenreform.

Das Feindbild der Gewerkschaften: Ein Demonstrationsplakat gegen Nicolas Sarkozys geplante Rentenreform. Bild: Keystone

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Die Streiks gegen die Rentenreform in Frankreich haben den Verkehr an Bahnhöfen und Flughäfen stark beeinträchtigt. Die Luftfahrtbehörde erwartete, dass am Donnerstag bis 40 Prozent der Flüge am Pariser Grossflughafen Roissy-Charles de Gaulle ausfallen würden.

Am kleineren Hauptstadt-Flughafen Orly könnte sogar die Hälfte der Flüge gestrichen werden, schrieb die französische Nachrichtenagentur AFP. Auch an anderen französischen Flughäfen wurden Flüge gestrichen.

Auch der Flugverkehr mit der Schweiz war eingeschränkt. Dutzende Starts und Landungen an den Schweizer Flughäfen Zürich, Genf und Basel wurden gestrichen. Betroffen waren nicht nur Flüge von und nach Paris sondern auch an andere Flughäfen wie Nizza, Lyon oder Bordeaux.

Züge in die Schweiz fallen aus

Bei der Bahngesellschaft SNCF hatten die Streiks bereits am Mittwochabend begonnen. Am Donnerstag soll in Frankreich durchschnittlich jeder zweite Zug ausfallen, wobei den Planungen der SNCF zufolge nationale Verbindungen stärker betroffen sind als internationale.

Dennoch fallen im Zugverkehr mit der Schweiz einige TGV-Verbindungen aus. Annulliert wurden nach Angaben der SBB eine Verbindung von Lausanne nach Paris, zwei auf der Strecke Bern–Paris–Bern und zwei Züge Genf–Paris–Genf.

Ausfallen werden auch alle Züge von und nach Südfrankreich mit den Destinationen Marseille, Montpellier und Nizza. Auch der Verkehr von Basel nach Brüssel sei vom Streik stark betroffen, teilten die SBB mit.

Auch der Pau Casals von Genf nach Barcelona fiel in der Nacht auf Donnerstag aus. Die Passagiere mussten stattdessen am Mittwochabend auf Busse umsteigen. Besser haben es am Donnerstag jene Reisenden, die von Zürich nach Paris fahren wollen: Die TGV Lyria verkehrten normal, erklärten die SBB.

Metro in Paris kaum gestört

In Paris war im öffentlichen Nahverkehr am Donnerstagmorgen nicht viel von Streiks zu spüren. Die AFP zitierte einen Sprecher, wonach der Betrieb der Metro zunächst «besser als erwartet» und der Verkehr der Vorstadtbahn RER «beinahe normal» laufe. Landesweit waren Streikwarnungen für 77 öffentliche Nahverkehrsnetze herausgegeben worden.

Die Gewerkschaften wollen die von der Regierung geplante Erhöhung des Renteneintrittsalters von 60 auf 62 Jahre zu Fall bringen. Die Nationalversammlung hatte die Rentenreform vergangene Woche gebilligt; der Senat muss aber noch darüber befinden. Er berät die Reform ab Anfang Oktober.

(jak/dapd)

Erstellt: 23.09.2010, 07:39 Uhr

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