Frankreich wegen Prügelstrafe gerügt

Der Europarat verlangt ein gesetzliches Verbot der Prügelstrafe, doch Paris lenkt nicht ein.

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Das französische Recht enthält kein «genug klares, verbindliches und präzises» Verbot körperlicher Züchtigungen wie Ohrfeigen, Stockhiebe oder Schläge auf den Hintern. Das hat das Sozialkomitee des Strassburger Europarats gestern festgehalten. Es heisst damit eine Beschwerde der britischen Kinderhilfeorganisation Approach gut. Sie bezichtigte Frankreich der Verletzung der europäischen Sozialcharta, die ein entsprechendes Schlagverbot enthält.

Anders als die Mehrheit der 47 Europaratsmitglieder erlaubt Frankreich «leichte» Züchtigungen zwar nicht durch die Lehrer, aber durch die Eltern. Eine Mehrheit der Franzosen denkt offenbar ähnlich wie Papst Franziskus, der sich im Februar für gelegentliche Kinderhaue – «in Würde» und nicht ins Gesicht – ausgesprochen hatte.

Wie die Zeitung «Le Monde» schreibt, frönt das katholische Frankreich noch «der Kultur des Pater Familias», der als Inhaber der elterlichen Autorität gilt. Und die Hoheit über das Hinternversohlen hat – «la petite fessée», wie man in Frankreich sagt.

Vor den Pariser TV-Kameras zum neusten Europaratsentscheid befragt, meinten die meisten Erwachsenen, eine Ohrfeige könne doch «nicht schaden», wenn sie mit gesundem Menschenverstand eingesetzt werde. Französische Kinderpsychiater widersprechen unisono. «Eine Ohrfeige kann bewirken, dass das Kind im Moment gehorcht – aber nicht auf Dauer», meint der ehemalige Lehrer Olivier Maurel, der landesweit gegen die Kinderzüchtigung kämpft. «Ein Schlag zieht deshalb bald den nächsten nach sich.» Einem Kind werde nicht klar, ob der Einsatz der Hand pädagogisch gemeint sei: «Das Kind lernt nur die Gewalt.»

Entscheid unverbindlich

Der Entscheid des Europarats ist unverbindlich, sodass Frankreich nicht zur Änderung seiner Gesetzgebung gezwungen werden kann. Die Pariser Familienministerin Laurence Rossignol erklärte wenig überraschend, ihr Land habe keine Gesetzesänderung vor. Für sinnvoll hält sie nur eine «kollektive Debatte über den Nutzen körperlicher Strafen bei der Erziehung der Kinder». Das klingt auch nicht sehr verbindlich.

Der Europarat hat Paris seit 2003 schon dreimal an die Einhaltung der Kinderrechte in der Sozialcharta erinnert.

Erstellt: 04.03.2015, 22:02 Uhr

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