Freiheit braucht Regeln

Das neue Urheberrecht der EU stösst auf heftige Kritik. Aber strengere Regeln sind überfällig: Die Ära der Raubritter im Internet muss zu Ende gehen.

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Die Nachricht vom nahenden Tod der Freiheit im Internet, die letzte Woche die Runde machte, ist übertrieben. Anlass war das neue Urheberrecht, das vom EU-Parlament verabschiedet wurde. Darin geht es im Kern um eines: den Schutz von Künstlern, Musikern, Autoren aller Art vor räuberischen Kopisten.

Aber vor allem Artikel 13 des Entwurfs, warnen Kritiker, gehe zu weit und werde zur Zensur per Algorithmus führen. Denn Plattformen wie Youtube oder Facebook sollen gezwungen werden, jedes einzelne Foto, Video und Musikstück, das bei ihnen hochgeladen wird, auf Urheberrechtsverletzungen hin zu überprüfen.

Weil es sich dabei um gigantische Datenmengen handelt, kann das nur hochautomatisiert geschehen. Es gibt genügend Anekdoten darüber, zu welch absurden Resultaten dies führen kann. Zum Beispiel wenn Facebook Bilder der «Venus von Willendorf» löscht, weil die 30'000 Jahre alte Steinfigur eine nackte Frau darstellt.

Es dürfe nicht sein, heisst es darum in einer schon millionenfach unterstützten Petition, dass «Roboter entscheiden, was von uns geteilt werden kann und was nicht». Natürlich sind ­Roboter bei dieser Kontrolle nicht perfekt, aber im blitzschnellen Aufspüren verdächtiger Inhalte sind sie Menschen einfach überlegen. Und das ist in unseren hochvernetzten Zeiten das zentrale Kriterium.

Als Mangel kann man auch ansehen, dass die Verantwortung für das Aufspüren von Urheberrechtsverstössen in die Hände amerikanischer Internetgiganten gelegt wird. Aber auch dafür gibt es heute kaum eine technisch valable staatliche Alternative.

Wichtiger aber ist: Man wähnt die Freiheit in Gefahr – und übersieht geflissentlich, dass es nicht nur um die Freiheit derjenigen gehen kann, die Inhalte im Internet «teilen». Freiheit braucht Regeln. Auch – und vielleicht vor allem – um die Freiheit derjenigen zu schützen, die Inhalte herstellen. Sie sind nämlich heute in stetiger akuter Gefahr, der Früchte ihrer Arbeit beraubt zu werden.

Erstellt: 16.09.2018, 20:53 Uhr

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