Fünf Brexiteers fordern May heraus

Gefahr von rechts: Diese amtierenden und früheren Minister aus der Anti-EU-Ecke machen sich Hoffnung, die Premierministerin abzulösen.

«May’s Deal» or «No Deal» – das ist für ihre politischen Gegner keine Frage. Doch wer sind sie genau? Foto: Keystone, Montage: dip

«May’s Deal» or «No Deal» – das ist für ihre politischen Gegner keine Frage. Doch wer sind sie genau? Foto: Keystone, Montage: dip

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Dominic Raab (44)

Der Brexiteer, der vorige Woche als Brexit-Minister zurücktrat, ist quasi über Nacht zum Favoriten für die Nachfolge Theresa Mays geworden. Raab lehnt «May’s Deal» kategorisch ab. Der Karate-Schwarzgürtel wurde, als er David Davis im Sommer als Brexit-Minister beerbte, als ebenso nüchterner wie sachkundiger Politiker eingeschätzt. Er ist allerdings relativ unerfahren, und blamierte sich mit seiner Ignoranz über gewisse Konsequenzen der Insellage Grossbritanniens. Dennoch halten ihn viele Tories für «präsentabel». David Davis steht er relativ nahe. Er kann sich dessen Unterstützung gewiss sein, falls Davis nicht selbst antreten will.

David Davis (69)

Davis, der von Sommer 2016 bis Sommer 2018 das Brexit-Ressort leitete, ist ein Veteran der Tory-Rechten. Er gilt als jovial und hat sich bei den Brexit-Hardlinern Respekt verschafft, weil er als erster Minister zurücktrat, als May mit ihrem Chequers-Plan auf «Kompromisskurs» ging. Als Chef-Unterhändler Londons beeindruckte er allerdings wenig. Sein Versprechen, die Verhandlungen mit der EU würden sich als «kinderleicht» erweisen, wurde überall mit Kopfschütteln quittiert. In Brüssel liess er sich wenig sehen, und mit Michel Barnier konnte er sich nicht messen. Ausserdem ist er schon zweimal gescheitert bei Wahlen zum Parteivorsitz.

Boris Johnson (54)

Johnson, der zwei Jahre lang Mays Aussenminister war, ist noch immer der Liebling vieler Tory-Mitglieder. Seine flapsige Geringschätzung der EU ist an der Parteibasis beliebt. Und natürlich war er einer der Brexit-Wortführer beim Referendum von 2016: Ohne ihn hätte es vielleicht keinen Brexit gegeben. Seine Amtsführung als Minister ist aber, wie die von Davis, oft kritisiert worden. Viele Kritiker halten ihn für unernst, oberflächlich, nicht interessiert an den Details ministerieller Arbeit. In der Tory-Fraktion hat er wenig Freunde. Dort hält man ihn für unberechenbar und schätzt seine ewigen Übertreibungen und Provokationen nicht.

Andrea Leadsom (55)

Leadsom war im Finanzbereich tätig, bevor sie in die Politik ging. Noch 2013 warnte sie im Unterhaus nachdrücklich vor einem britischen EU-Austritt. Ein Austritt, sagte sie damals, wäre «eine Katastrophe für unsere Wirtschaft». Drei Jahre später schon war sie eine der prominentesten Befürworterinnen eines radikalen Brexit. Bei der Wahl zum Vorsitz 2016 ging sie, gegen May, in die Schlussrunde der letzten zwei, musste aber wegen dummer Bemerkungen über May ihre Kandidatur zurückziehen. Seither vertrat sie harte Positionen innerhalb der Regierung. Gegenwärtig koordiniert sie den Widerstand im Kabinett gegen «May’s Deal».

Michael Gove (51)

Mays Umweltminister stand beim Referendum noch an der Seite Johnsons. Er manövrierte diesen bei der Wahl zum Parteivorsitz 2016 geschickt aus, verlor dann aber auch selbst. Vielen Briten kommt er vor wie ein übereifriger Schüler, ein bubenhafter politischer Streber. Aber Gove ist ein scharfer Taktiker. Dafür schätzen ihn Fraktionskollegen. Wie Leadsom beschloss auch er vorige Woche, zunächst im Kabinett zu verbleiben, statt sich den Rebellen anzuschliessen. Gove hält übrigens nicht viel von einem Ausscheiden aus der EU ohne Vereinbarung, von einem «No Deal». So viel «Zimperlichkeit» gefällt verärgerten Hinterbänklern nicht.

(Redaktion Tamedia)

Erstellt: 20.11.2018, 19:39 Uhr

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