G7-Staaten einigen sich auf strengeren Klimaschutz

24 Stunden lang haben die Staats- und Regierungschefs der sieben führenden Industriestaaten im bayerischen Schloss Elmau getagt. Ein kurzer Überblick über die Resultate.

Den Klimaschutz ernst nehmen: Angela Merkel gibt ihr Erklärung zu den Klimaschutzbeschlüssen ab.

Den Klimaschutz ernst nehmen: Angela Merkel gibt ihr Erklärung zu den Klimaschutzbeschlüssen ab. Bild: AFP

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Ein halbes Jahr vor dem wichtigen UN-Klimagipfel in Paris einigten sich die G7 auf ein deutliches Signal für den Klimaschutz. Das viel diskutierte Schlagwort von der Dekarbonisierung – der Abschied von Kohle, Öl und Erdgas – fand Eingang in die Abschlusserklärung. Und auch der scheinbar vage Zeitplan «im Laufe des Jahrhunderts» fiel ehrgeiziger aus als der erwartete Satz «bis zum Ende des Jahrhunderts». Die Energiewirtschaft soll demnach sogar bis zum Jahr 2050 «umgebaut», also auf erneuerbare Quellen umgestellt werden.

Erwähnt wurde in der Abschlusserklärung, dass sich die Reduzierung von Treibhausgasen bis 2050 im Rahmen von 40 bis 70 Prozent verglichen mit 2010 «am oberen Rand» bewegen müsse.

«40 Prozent sind eindeutig zu wenig.»Angela Merkel

Enthalten ist in der Erklärung auch das Bekenntnis zu dem schon länger vereinbarten Ziel, die Erderwärmung auf unter zwei Grad Celsius zu begrenzen. Sollte dies in Paris auch globale Verpflichtung werden, könnte die Erderwärmung nach Ansicht von Experten sogar weniger stark ausfallen als die bislang für zulässig erklärten zwei Grad Celsius.

Die Bekenntnisse der G7 zum Klimaschutz waren mit Spannung erwartet worden. Sie gelten als wichtiger Zwischenschritt vor der grossen UN-Klimakonferenz Ende des Jahres in Paris, wo ein globales Abkommen beschlossen werden soll. Die Gruppe der sieben führenden Industrienationen steht für rund ein Viertel des globalen Treibhausgasausstosses. Nach Angaben von Merkel sind die Klimavereinbarungen von Schloss Elmau «Ergebnis harter Verhandlungen».

Eine Klimaversicherung

Die G7 wollen zudem den Versicherungsschutz der ärmsten Menschen in Entwicklungsländern vor Auswirkungen des Klimawandels wie Dürren, Hochwasser oder Wirbelstürmen verbessern. Bisher sind weltweit etwa hundert Millionen Menschen mittels sogenannter Klimarisikoversicherungen gegen die Folgen des Klimawandels versichert. Ihre Zahl soll bis zum Jahr 2020 auf mindestens 400 Millionen erhöht werden.

Die Staats- und Regierungschefs einigten sich auch auf einen Aktionsplan, der die Vermüllung der Ozeane insbesondere durch Plastik eindämmen soll. Umweltverbänden fehlte aber eine strenge Verpflichtung zur Müllvermeidung. Eine Million Seevögel sterben jährlich durch Müll im Meer. Die G7 sprachen sich zudem für ein internationales Regelwerk für den Abbau von Rohstoffen in den empfindlichen Tiefseeregionen aus.

Einsatz von Medikamenten beschränken

Angesichts der Zunahme von Antibiotika-Resistenzen wollen die sieben führenden Industriestaaten den Einsatz der Medikamente einschränken und die Forschung dazu international abstimmen. Kritiker bezeichneten die Vorhaben als unzureichend, da die G7-Länder keine konkreten Massnahmen zur Senkung des Antibiotikaeinsatzes in der Fleisch- und Fischerzeugung beschlossen hätten.

Nach den tödlichen Unfällen in asiatischen Textilfabriken wollen die G7 ihre Verantwortung für die weltweiten Produktionsketten stärker wahrnehmen. Ziel ist es, Arbeitsunfälle zu verhindern und Umweltschutz zu fördern. Im Luxushotel Schloss Elmau wurde ein globaler Fonds («Vision Zero Fund») ins Leben gerufen, der die Einhaltung von Standards unterstützen soll. Wieviel eingezahlt werden soll und von wem, blieb allerdings unklar.

Ehrgeizige Ziele bei der Ernährung und bei Ebola

Im September findet die UN-Versammlung in New York statt, bei der die künftigen Entwicklungsziele festgelegt werden sollen. Die G7-Staaten wollen 500 Millionen Menschen in Entwicklungsländern bis 2030 von Hunger und Mangelernährung befreien. Zudem setzen sie sich das Ziel, die wirtschaftliche Teilhabe von Frauen zu fördern.

Insgesamt steckten sich seit Beginn der Epidemie Ende 2013 in Westafrika der Weltgesundheitsorganisation zufolge rund 27'000 Menschen mit dem Ebola-Virus an, mehr als 11'100 von ihnen starben daran – und die Welt war nicht vorbereitet. Die G7 wollen arme Länder bei der Stärkung ihrer Gesundheitssysteme unterstützen, darunter mindestens 60 Staaten in den nächsten fünf Jahren.

(sda)

Erstellt: 08.06.2015, 16:02 Uhr

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