Genzenloser Jubel, ein zerstörter Siegelring und ein letzter Tweet

Die heutige Generalaudienz war der letzte öffentliche Grossauftritt von Benedikt XVI., bevor er sein Amt als Papst niederlegt. Seine Fans reisten aus der ganzen Welt nach Rom.

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Mit einer letzten Generalaudienz hat sich Papst Benedikt XVI. heute auf dem Petersplatz in Rom von den katholischen Gläubigen verabschiedet. «Gott wird seine Kirche nicht kentern lassen», sagte der 85-Jährige vor rund 150'000 Besuchern, die immer wieder in Jubel ausbrachen. Mit seinem für morgen Abend geplanten Rücktritt macht Benedikt den Weg für die Wahl eines Nachfolgers frei, der bis Ostern feststehen soll. Er sei sich bewusst, wie «wichtig» und ungewöhnlich sein Rücktritt sei, sagte Benedikt XVI., der als erstes katholisches Kirchenoberhaupt seit dem Mittelalter vor dem Tod auf eigenen Beschluss aus dem Amt scheidet. Er habe sich angesichts seiner «schwindenden Kräfte» jedoch in «Gelassenheit» entschieden.

Der scheidende Pontifex maximus dankte allen Gläubigen, «dass ihr meine Entscheidung, die ich vor dem Herrn zum Wohl der Kirche getroffen habe, mit Respekt und Verständnis aufgenommen habt». «Der Herr hat mich immer geführt und war mir nah», sagte der Papst auf Deutsch und sprach «ein herzliches Vergelt's Gott».

Besucher aus der ganzen Welt

Zu der letzten Generalaudienz, die bei strahlendem Sonnenschein stattfand, kamen Menschen aus zahlreichen Ländern. Auf dem Petersplatz wehten etwa deutsche und bayerische, aber auch spanische, polnische und US-Flaggen. Auf Spruchbändern dominierten Dankesworte an den scheidenden Papst, der künftig den Titel «emeritierter Papst» tragen wird. «Danke», «Merci», «Grazie» und das polnische «Dziekujemy» waren zu lesen.

«Die Kirche zu lieben heisst auch, den Mut zu schwierigen Entscheidungen zu haben», sagte Benedikt XVI. weiter. Er wolle die Kirchenleitung abgeben, um sich dem Gebet zu widmen. Sein Pontifikat sei von Freude und Licht, aber auch von «nicht einfachen Momenten» geprägt gewesen. In seiner wohl letzten Twitter-Botschaft als Papst drückte der deutsche Geistliche seinen Wunsch aus, «dass ein jeder von uns die Freude spürt, Christ zu sein und von Gott geliebt zu sein, der uns seinen Sohn geschenkt hat».

Einfahrt im Papamobile

Vor dem Beginn der Audienz liess sich Benedikt XVI. in einer grossen Runde im Papamobil über den Petersplatz fahren, wo die Menschen ihm zujubelten und applaudierten. Immer wieder riefen sie «Benedetto, Benedetto». Mehrfach hielt der Papst an, um Kinder zu segnen. Die Audienz war wegen des Andrangs von der Audienzhalle auf den Petersplatz verlegt worden.

Zum Abschluss der Audienz dankte Benedikt XVI. den Besuchern in zwölf Sprachen. Aus Deutschland nahmen der Chef der Bischofskonferenz und Freiburger Erzbischof, Robert Zollitsch, sowie die Kardinäle Reinhard Marx und Joachim Meisner, Erzbischöfe von München und Köln, teil. Angereist war zudem Bayerns Regierungschef Horst Seehofer (CSU).

Konklave soll möglicht bald stattfinden

Zollitsch würdigte Benedikt XVI. als «einen der grössten Theologen», der die Kirche «entscheidend geprägt» habe. Die Entscheidung, das Papstamt abzugeben, sei ein «respektabler Entschluss, der Anerkennung verdient», sagte er am Dienstagabend in Rom.

Benedikt XVI. hatte seinen Amtsverzicht vor gut zwei Wochen bekanntgegeben. Sein knapp achtjähriges Pontifikat endet am Donnerstag um 20.00 Uhr, bereits um 17.00 Uhr will er per Hubschrauber den Vatikan verlassen, um sich für einige Wochen in die päpstliche Sommerresidenz Castel Gandolfo nahe Rom zu begeben. Im Vatikan soll bald darauf das Konklave zur Papstwahl zusammenkommen.

(kle/sda)

Erstellt: 27.02.2013, 12:35 Uhr

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