Gottesmann mit Hang zum Luxus

Der Patriarch der russisch-orthodoxen Kirche, Kyrill I., trifft den Papst.

Existenzangst sei «ein Zeichen schwacher Nerven»: Kyrill I. (Getty)

Existenzangst sei «ein Zeichen schwacher Nerven»: Kyrill I. (Getty)

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Ausgerechnet den Boden des kommunistischen Kuba haben sich die beiden Kirchenoberhäupter für einen historischen Moment ausgesucht. Auf dem Flughafen von Havanna werden sich Papst Franziskus und Kyrill I. an diesem Freitag treffen. Es ist die erste Begegnung eines Papstes und eines Patriarchen der russisch-orthodoxen Kirche in der Geschichte, seit sich die Christen im grossen Schisma 1054 in die lateinische Kirche des Westens und die griechische Kirche des Ostens spalteten.

Bereits der Pole Johannes Paul II. hatte von einem Besuch in der Sowjetunion geträumt, Benedikt XVI. machte die Aussöhnung der Christen zu seiner Priorität. Dass nun Franziskus der Erfolg vergönnt ist, hat mit der politischen Lage zu tun – und mit der Person Kyrills.

Schon als der Metropolit von Smolensk und Kaliningrad im Februar 2009 zum Patriarchen gewählt wurde, weckte das Hoffnungen auf eine Annäherung. Der 1946 als Sohn eines Mechanikers in Leningrad geborene Wladimir Gundjajew traf im Amt eines klerikalen «Aussenministers» häufig mit Vertretern anderer Kirchen zusammen. Seine Besuche im Vatikan brachten ihm zu Hause sogar den Vorwurf ein, mit der Ökumene zu weit zu gehen.

Putin als «Geschenk Gottes»

Als Russlands Präsident Wladimir Putin am 18. März 2013 die Annexion der Krim verkündete, blieb Kyrill der Zeremonie fern, um die Ukrainer nicht in die Arme des Kiewer Patriarchats zu treiben. Sonst jedoch steht er fest auf der Seite des Präsidenten. Vor der Wahl 2012 pries er Putin als «Geschenk Gottes». Dieser benutzt die Kirche als Stütze für seine national-konservative Wende, in der sich Russland von einem angeblich dekadenten Westen abgrenzt, der Homosexualität toleriert. Als Margot Kässmann Ratsvorsitzende der evangelischen Kirche in Deutschland war, weigerte sich Kyrill der Bischöfin die Hand zu geben.

Ein Zusammenschluss antiliberaler Kräfte in der Welt ist ganz im Sinne des Kreml. Der 69-jährige Kyrill möchte zudem mehr gemeinsames Engagement gegen Christenverfolgung. Ein Beispiel dafür sieht er im Einsatz der russischen Luftwaffe an der Seite des Diktators Bashar al-Assad, unter dem die christlichen Minderheiten in Syrien in relativer Sicherheit lebten. Einen «gerechten Krieg» nennt Kyrill das Bombardement. Dass sich Franziskus dem anschliesst, ist wenig wahrscheinlich.

Auch sonst sind die beiden recht unterschiedlich: Während der Papst die katholische Kirche wieder auf den Pfad der Bescheidenheit zu lenken versucht, hat Kyrill einen Hang zum Luxus. Vor einigen Jahren löste eine goldene Uhr für 30 000 Euro an seinem Handgelenk einen Skandal aus. In der gegenwärtigen Krise riet er den Menschen indes, sich nicht zu sehr an weltliche Dinge zu klammern. Existenzangst sei «ein Zeichen schwacher Nerven».

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 07.02.2016, 22:40 Uhr

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