Greenpeace-Aktivisten werden nach
St. Petersburg verlegt

Nach mehr als einem Monat in kalten Zellen: Die 30 in Russland inhaftierten Greenpeace-Aktivisten kommen nach St. Petersburg. Der Anklagepunkt der Piraterie wurde noch nicht offiziell fallengelassen.

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Die bislang im russischen Murmansk inhaftierten Greenpeace-Aktivisten werden nach St. Petersburg verlegt. Die Umweltschutzorganisation meldete unter Berufung auf Diplomaten, die 30 Besatzungsmitglieder des Eisbrechers «Arctic Sunrise», die seit September in der nordrussischen Hafenstadt in Haft sind, würden nach St. Petersburg gebracht. Die Aktivisten hatten in Murmansk über kalte Zellen, schlechtes Essen und mangelhafte Kleidung geklagt.

Die russische Küstenwache hatte die «Arctic Sunrise» am 19. September in der Barentssee aufgebracht. Mitglieder der Umweltorganisation hatten zuvor versucht, eine Bohrinsel des Energieriesen Gazprom zu entern, um auf die Gefahren der Ölförderung für die Umwelt aufmerksam zu machen. Das Schiff wurde von der Küstenwache nach Murmansk gebracht, wo die 30 Besatzungsmitglieder aus 18 Ländern seitdem inhaftiert waren.

Anklage auf Piraterie noch nicht offiziell fallengelassen

Die Aktivisten waren zunächst wegen bandenmässiger Piraterie angeklagt, doch nach massiver Kritik wurde die Anklage vergangene Woche auf Rowdytum abgeschwächt. Statt 15 Jahre, droht ihnen nun nur noch sieben Jahre Haft. Die Greenpeace-Sprecherin Maria Faworskaja sagte jedoch, die Umweltschützer seien bisher nicht offiziell über die Aufhebung der Piraterie-Anklage informiert worden. Formal bestünden nun gegen sie zwei Anklagepunkte.

Nach Angaben der Sprecherin können Menschen, die in internationalen Gewässern festgenommen wurden, nur bei einer Anklage wegen Piraterie in Haft gehalten werden. Wenn die Umweltschützer nicht als Piraten betrachtet würden, gebe es auch keine Grundlage, sie im Gefängnis zu halten, betonte Faworskaja. Greenpeace-Direktor Kumi Naidoo erklärte, die Aktivisten sollten überhaupt nicht inhaftiert sein, sondern zu ihren Familien zurückkehren können.

Seinen Angaben nach wird es für die Angehörigen und die Konsularbeamte in St. Petersburg leichter sein, die Aktivisten zu besuchen. Allerdings gebe es keine Garantie, dass die Haftbedingungen dort besser seien als in Murmansk, warnte Naidoo. Die Verlegung in die frühere Zarenstadt könnte auch damit zu tun haben, dass die Staatsanwaltschaft in St. Petersburg in dem politischen brisanten Verfahren die Ermittlungen führt.

Das Verfahren gegen die Aktivisten stösst im Ausland auf scharfe Kritik. Zudem muss sich Russland wegen der Intervention gegen die «Arctic Sunrise» vor dem Internationalen Seegericht in Hamburg verantworten. Nach Angaben von Greenpeace befand sich das Schiff in internationalen Gewässern, als es aufgebracht wurde. Die Niederlande, unter deren Flagge das Schiff fährt, reichten daher vor dem Gericht in Hamburg Klage ein.

Aktivistin bittet niederländischen König um Hilfe

Eine Frau aus der Gruppe der Aktivisten hat den niederländischen König Willem-Alexander um Hilfe gebeten. In einem Brief bittet die Niederländerin Faiza Oulahsen den König, ihre Lage in Moskau bei Präsident Wladimir Putin anzusprechen.

«Das würden meine Schicksalsgefährten und ich sehr schätzen», schrieb Oulahsen in dem handschriftlichen Brief, den das» Algemeen Dagblad» veröffentlichte. «Ich hoffe sehr, dass Sie etwas für uns erreichen können.» König Willem-Alexander wird am 8. und 9. November zum Abschluss des Niederlande-Russland-Jahres in Moskau sein.

Oulahsen beschreibt, dass sie in einer Zelle «isoliert von den anderen» sei. In den ersten drei Wochen lebte sie demnach in einer dreckigen Zelle, mit leckenden Wasserleitungen und Ratten. «Obwohl ich dazu das Recht habe, durfte ich immer noch nicht telefonieren. Ich will gerne mit meiner Familie reden, auch wenn es nur kurz ist.» (mw/AFP/sda)

Erstellt: 01.11.2013, 20:30 Uhr

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