Griechen wollen Hilfe «bis zum letzten Euro» zurückzahlen

Griechenlands Finanzminister Evangelos Venizelos hat den Deutschen versprochen, bisher unbezahlte Rechnungen zu begleichen. Der Grund für seine Offensive: Er hofft auf Investitionen aus dem Ausland.

Ein Minister auf Bussgang: Zerknirschter griechischer Finanzminister Evangelos Venizelos im Parlament in Athen.

Ein Minister auf Bussgang: Zerknirschter griechischer Finanzminister Evangelos Venizelos im Parlament in Athen.

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Der griechische Finanzminister Evangelos Venizelos will dafür sorgen, dass «die Hilfen bis zum letzten Euro zurückgezahlt» werden. Dafür sei Wachstum in Griechenland erforderlich, sagte er in Athen nach einem Gespräch mit dem deutschen Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP). Die Menschen in Griechenland müssten erkennen können, dass ihre Opfer einen Sinn hätten, ebenso wie die Menschen in Deutschland überzeugt werden müssten, dass ihre Hilfen sinnvoll sein. Wachstum könne es im Tourismus und bei erneuerbaren Energien geben.

Sein Land durchlaufe derzeit eine «sehr harte Zeit der Krise». Sie biete aber auch eine Chance, die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken und Reformen umzusetzen, sagte Venizelos. «Griechenland möchte sich ändern. Es will freundlich, offen und extrovertiert für auswärtige Investitionen sein.»

Positives Fazit nach Griechenlandreise

Rösler sagte, er habe in Griechenland für eine Stabilitätsunion in Europa geworben. Nur damit lasse sich die Zustimmung erzielen, die für alle Massnahmen in Europa erforderlich sei. Dies sei ein klares Signal, dass Europa bereits sei, für seine Währung zu kämpfen und gegen alle Angriffe zu verteidigen.

Venizelos habe seine Bereitschaft erklärt, «Altfälle» unbezahlter Rechnungen des Staates schon in den kommenden Tagen zu lösen, was deutsche Investitionen erleichtern werde. Er sei «sehr zufrieden» mit seiner Reise.

Griechenland soll in der Eurozone bleiben

Nach einem Gespräch Röslers mit Premier Georgios Papandreou hiess es aus Teilnehmerkreisen, dieses sei «in guter Atmosphäre» verlaufen. Es habe statt geplanten 30 Minuten sogar 90 Minuten gedauert. Die Äusserungen Röslers zur «Resolvenz» Griechenlands hätten keine Rolle gespielt. Vielmehr sei es darum gegangen, wie mehr Wachstum im Land entstehen könne. Auch Papandreou habe Bereitschaft zur Lösung der «Altfälle» erklärt.

Rösler hatte zu seinem Vorschlag der «Resolvenz» Griechenlands erklärt, alles zu tun, um Athen in der Eurozone zu halten. Aber es müsse auch alles getan werden, um die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Landes wieder herzustellen. (miw/dapd)

Erstellt: 07.10.2011, 14:15 Uhr

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