«Griechenland-Krise schadet dem Ansehen der EU»

Die Krise in Griechenland schwächt das Image der Europäischen Union als Stabilitätsgarant. Die EU ist «gespalten und verstreut», so Experte Vivien Pertusot.

Sieht ein gespaltenes Europa: Vivien Pertusot, Leiter des französischen Instituts für Internationale Beziehungen ( IFRI) in Brüssel.

Sieht ein gespaltenes Europa: Vivien Pertusot, Leiter des französischen Instituts für Internationale Beziehungen ( IFRI) in Brüssel. Bild: Französisches Institut für Internationale Beziehungen ( IFRI)

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Zwar stärkten die Verhandlungen mit Griechenland die EU-Kommission in ihrer politischen Rolle, sagte Vivien Pertusot, Leiter des französischen Instituts für Internationale Beziehungen ( IFRI) in Brüssel. Doch die Krise als Ganzes schwächt aus seiner Sicht das Ansehen der EU.

Die Europäische Kommission nimmt eine zentrale Position in den Verhandlungen zwischen Griechenland und den Gläubigerinstitutionen ein, sagte Pertusot. Vor allem Kommissionschef Jean-Claude Juncker spielt eine wichtige Rolle.

Grexit-Diskussion ein Tabubruch

«Brüssel scheint zu versuchen, die Verpflichtungen Athens durch die Gläubiger flexibler zu interpretieren», sagte er. Damit habe die Politik die Oberhand über die Technokraten gewonnen. Kurzfristig sei die politische Rolle der Kommission gestärkt worden.

Die lange Dauer der Krise schwächt aus Pertusots Sicht dagegen die EU als Ganzes. Die Krise trage nicht dazu bei, das Image der EU als Stabilitätsgarant zu verbessern. «Im Gegenteil: Sie zeige sich gespalten und verstreut.» Mit der Diskussion um einen Euro-Austritt Griechenlands sei zudem ein Tabu gebrochen worden.

«Politische Legitimität fehlt»

Die Griechenland-Krise sei auch nur eine von vielen Krisen, mit denen sich die EU derzeit befassen müsse, sagte Pertusot. Für ihn zählen dazu der Aufstieg von Populisten und rechtsradikalen Parteien, Migrationsprobleme sowie die britische Frage.

In den Augen europäischer Bürger fehle es der EU auch an politischer Legitimität, stellte er fest. Es sei an den nationalen Regierungen, mit viel pädagogischer Arbeit die Legitimation der EU zu verbessern. (hae/sda)

Erstellt: 27.06.2015, 06:43 Uhr

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