Hintergrund

Griechenlands prominente Steuerhinterzieher

Die griechische Regierung hat eine Liste von Steuersündern im Internet veröffentlicht. Darunter finden sich prominente Musiker, Sportler und Geschäftsleute.

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Der griechische Finanzminister Evangelos Venizelos hat gestern Abend die grössten privaten Steuersünder im Internet publik gemacht. Von einer «Liste der Schande» sprach er in einer Pressekonferenz. Am Pranger stehen 4152 Namen. Darunter sind auch bekannte Musiker, Unternehmer und Geschäftsleute zu finden. Politiker sucht man jedoch vergeblich.

Der Treuhänder Nikos Kassimatis aus Thessaloniki steht mit 952 Millionen Euro Steuerschulden ganz zuoberst auf Venizelos’ Liste. Kassimatis ist in Griechenland kein Unbekannter. Eine Verwicklung in einen Skandal um eine illegale Mehrwertsteuerabwicklung brachte ihn ins Gefängnis. In 66 weiteren Fällen wird noch gegen ihn ermittelt. So soll er auch Steuerbeamte bestochen haben, damit diese Steuerbussen gegenüber Unternehmen zurücknehmen.

Der Steuerberater war zudem ein enger Mitarbeiter von Panagiotis Psomiadis, dem suspendierten Präfekten von Thessaloniki. Auch gegen Psomiadis steht wegen illegaler Machenschaften ein Urteil des Obersten Gerichtshofs aus.

Ein Finanzjongleur

Eine weitere Person auf der publizierten Liste des griechischen Finanzministeriums ist der amerikanisch-griechische Geschäftsmann George Koskotas. 2,4 Millionen Euro soll er noch nicht bezahlt haben. Koskotas war in den 80er Jahren Verwaltungsratspräsident der Bank of Crete und Besitzer von mehreren Zeitungen, Radiostationen und des Fussballvereins Olympiakos Piräus.

Dem Finanzinstitut Bank of Crete unterschlug Koskotas damals über 100 Millionen Euro, wofür er später ins Gefängnis musste. Der Finanzskandal reichte 1989 bis in die höchsten Regierungskreise, zahlreiche Minister mussten in der Folge zurücktreten.

Ein Fussballpräsident

Die Welt des Sports und der Musik steht beim griechischen Staat ebenso in der Kreide, etwa mit dem ehemaligen Basketballspieler von Aris Thessaloniki, Michalis Misounof. Auch Giorgos Batatoudis, der ehemalige Präsident und Grossaktionär des Fussballvereins PAOK, aus Thessaloniki hat noch offene Rechnungen in der Höhe von 2,5 Millionen Euro zu begleichen. Dem Fussballverein hinterliess er Schulden in Millionenhöhe.

Batatoudis pflegte in seiner Zeit bei PAOK Kontakt zum ehemaligen libyschen Ghadhafi-Regime. Zudem hatte er die Fernsehrechte von PAOK zu einem überhöhten Preis an eine Firma verkauft, die in seinem Besitz war. Batatoudis wurde wegen Veruntreuung von 7,3 Millionen Euro zu zehn Jahren Haft verurteilt.

Ein Musiker

Ausserdem steht der 71-jährige Musiker Tolis Voskopoulos am Pranger des Finanzministeriums. Er ist das griechische Pendant zu Julio Iglesias. Seine Steuerschulden flogen bereits letztes Jahr auf. In der Folge musste seine prominente Frau, die Politikerin Angela Gerekou, als Vize-Ministerin für Tourismus zurücktreten. Voskopoulos schuldet dem Staat noch immer 515'000 Euro.

Auf insgesamt 15 Milliarden Euro beläuft sich die Steuerschuld der 4152 aufgelisteten Personen. Wie viel Geld mit dieser Massnahme tatsächlich in die Kassen gespült wird, darüber will das Finanzministerium nicht spekulieren. Zu viele dieser Personen sind bereits im Gefängnis oder pleite gegangen.

Die Regierung hat angekündigt, mit Hilfe von Anwaltsbüros und privaten Firmen dieses Geld einzutreiben. Die Steuerbehörde kann die Arbeitslast schon lange nicht mehr selbst tragen, sie selbst musste wegen der Sparmassnahmen Lohnkürzungen hinnehmen. Experten erklärten gegenüber der Nachrichtenagentur DPA, dass der Staat im besten Fall einen Fünftel davon kassieren könne. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 23.01.2012, 16:21 Uhr

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