Heftiger Kampf um Duell mit Le Pen

Die französischen Konservativen wählen heute ihren Präsidentenanwärter. Wer sind die Kandidaten, von denen sich einer mit den Rechtspopulisten anlegen muss?

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Frankreichs Konservative stimmen an diesem Sonntag über ihren Präsidentschaftskandidaten ab. Als Favoriten gelten die früheren Regierungschefs Alain Juppé und François Fillon sowie Ex-Präsident Nicolas Sarkozy. Die rund 10'000 Wahlbüros öffneten am Morgen um 8.00 Uhr und sollten um 19.00 Uhr schliessen. Mit Ergebnissen wurde im Verlauf des Abends gerechnet.

Es ist das erste Mal, dass die bürgerliche Rechte ihren Bewerber für den Élyséepalast mit einer offenen Vorwahl kürt, bei der alle Anhänger abstimmen dürfen. Wenn wie erwartet keiner der insgesamt sieben Kandidaten mehr als 50 Prozent der Stimmen erhält, entscheidet eine Stichwahl zwischen den beiden Erstplatzierten eine Woche später.

Reitet auf einer Erfolgswelle des Populismus: Die Kandidatein des Front National Marine Le Pen.

Dem Sieger werden gute Chancen für die Präsidentschaftswahl im Frühjahr 2017 ausgerechnet. Doch die hohe Hürde muss der Auserwählte noch nehmen: Sie heisst Front National. Die Rechtspopulisten sind weiter im Aufwind. Umfragen sagen ein Duell zwischen dem konservativen Bewerber und Marine Le Pen voraus. Ob der angeschlagene sozialistische Amtsinhaber François Hollande wieder antritt, ist noch unklar.

Wählen darf, wer «republikanische Werte» teilt

Die sieben konservativen Präsidentschaftsanwärter traten während des Wahlkampfes in drei TV-Debatten gegeneinander an. Insbesondere in wirtschaftspolitischen Fragen ähneln sich die Programme der Kandidaten: Alle wollen die 35-Stunden-Woche weiter lockern, Steuern und Abgaben für Unternehmen senken, die Staatsausgaben drastisch kürzen und dazu zahlreiche Beamtenstellen streichen.

Bei Fragen von Sicherheit, Einwanderung und Integration wurden dagegen Unterschiede zwischen den Kandidaten deutlich. So fährt Ex-Staatschef Sarkozy einen scharfen Rechtskurs, während sich Juppé und Fillon eher in der politischen Mitte verorten.

Die Vorwahl richtet sich an konservativ-bürgerliche Wähler. Teilnehmen darf aber jeder wahlberechtigte Franzose, eine Parteimitgliedschaft ist nicht notwendig. Wähler müssen lediglich eine Erklärung unterschreiben, wonach sie «die republikanischen Werte der Rechten und des Zentrums» teilen.

Diese sieben Kandidaten stellen sich zur Wahl:

Die Übersicht der Kandidaten: Jean-Francois Copé, Francois Fillon, Alain Juppé, Nathalie Kosciusko-Morizet, Bruno Le Maire, Jean-Frederic Poisson und Nicolas Sarkozy (von oben links nach unten rechts; Foto: Reuters)

  • Nicolas Sarkozy, der verhasste Rechtskonservative

2012 jagten die Franzosen Sarkozy aus dem Präsidentenamt - jetzt will er den Elysée-Palast zurückerobern. Der 61-Jährige setzt auf einen dezidiert rechtskonservativen Kurs rund um die Themen Sicherheit, Identität, Einwanderung und Islam, offen umwirbt er dabei Wähler der rechtsextremen Front National von Marine Le Pen. Ähnlich wie Donald Trump in den USA versucht Sarkozy, sich als Kandidat einer von den Eliten vernachlässigten «schweigenden Mehrheit» darzustellen. Gegner bezeichnen ihn schon als populistischen «Mini-Trump».

Vielen Franzosen ist der in zahlreiche Affären verstrickte Sarkozy regelrecht verhasst. Doch bei vielen Wählern der Republikaner ist er nach wie vor der grosse Hoffnungsträger. Sie sehen in ihm den tatkräftigen und erfahrenen Politiker, der das kriselnde Frankreich wieder aufrichten kann.

  • Alain Juppé, der beliebte Optimist

Der Bürgermeister von Bordeaux und frühere Premierminister ist mit seiner ruhigen Art und seinen gemässigten politischen Ansichten einer der beliebtesten Politiker des Landes. Sarkozys harter Linie bei Integration und Islam setzt der 71-Jährige seine Vision einer «glücklichen Identität» Frankreichs entgegen und will damit eine betont optimistische Botschaft verbreiten.

Juppé, der in seiner langen politischen Karriere auch Verteidigungsminister und zwei Mal Aussenminister war, spricht insbesondere Wähler der politischen Mitte an. Rechtskonservativen dagegen ist er zu weich. Ihm hängt zudem der Ruf des distanzierten und hochnäsigen Technokraten an. Schwarzer Fleck in seiner Biografie: 2004 wurde er wegen einer Affäre um illegale Parteienfinanzierung zu einer Gefängnisstrafe auf Bewährung verurteilt.

Der enge Weggefährte von Ex-Staatschef Jacques Chirac war lange Zeit der klare Favorit bei den Konservativen. Zuletzt ist sein Vorsprung in Umfragen aber weggeschmolzen.

  • François Fillon, der coole Wirtschaftsliberale

Sarkozys einstiger Premierminister (2007 bis 2012) lag in Umfragen lange abgeschlagen auf dem dritten Platz. Zuletzt hat er aber eine spektakuläre Aufholjagd hingelegt und hat jetzt sogar Siegchancen. Im Wahlkampf überzeugte der 62-jährige Abgeordnete mit unerschütterlicher Coolness und sachlich und klar vorgetragenen Argumenten.

Fillon verfolgt den wohl wirtschaftsliberalsten Kurs unter allen konservativen Präsidentschaftsanwärtern. Um die Staatsausgaben zu senken, will er 500'000 Stellen im öffentlichen Dienst abbauen. Ende 2012 lieferte sich Fillon einen erbitterten Machtkampf mit Jean-François Copé um den Vorsitz der Republikaner – Vorgängerpartei UMP – und unterlag.

  • Bruno Le Maire, der ungeschickte «Kandidat der Erneuerung»

Der 47-jährige Abgeordnete und Ex-Landwirtschaftsminister präsentiert sich als «Kandidat der Erneuerung» und als frische Alternative zu Sarkozy, Juppé und Fillon. Allerdings ging dem vierfachen Familienvater im Wahlkampf bald die Luft aus. In den TV-Debatten machte der fliessend Deutsch sprechende Abgeordnete eine unglückliche Figur.

  • Jean-François Copé, der weiter rechts als Sarkozy steht

Der frühere UMP-Chef und Haushaltsminister steht politisch noch weiter rechts als Sarkozy und tritt für eine «Rechte ohne Komplexe» ein. Im Wahlkampf forderte der 52-Jährige, im Anti-Terror-Kampf 50'000 neue Stellen bei Polizei und Justiz zu schaffen. Den UMP-Vorsitz musste er 2014 wegen einer Parteifinanzaffäre abgeben, die Ermittlungen gegen ihn wurden aber eingestellt.

  • Nathalie Kosciusko-Morizet, die liberale Sarkozy-Kritikerin

Sarkozys frühere Umweltministerin, in Frankreich kurz NKM genannt, ist im Kandidatenrennen der Konservativen die einzige Frau. Die 43-jährige Abgeordnete gehört dem liberalen Flügel der Republikaner an. Im vergangenen Dezember feuerte Sarkozy sie als Vize-Parteichefin, nachdem sie offen seinen Rechtskurs kritisiert hatte. 2014 bewarb sich NKM erfolglos um das Amt der Pariser Bürgermeisterin.

  • Jean-Frédéric Poisson, der christliche EU-Gegner

Der Vorsitzende der den Republikanern nahestehenden Christdemokratischen Partei ist ein scharfer Gegner der Homo-Ehe und will die «christlichen Wurzeln» Frankreichs in der Verfassung verankern. Der 53-jährige Abgeordnete ist ausserdem ein dezidierter EU-Kritiker. (sep/sda)

Erstellt: 20.11.2016, 12:53 Uhr

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