Heiligsprechung mit vier Päpsten

Bei der Kanonisierung von Johannes XXIII. und Johannes Paul II. erscheint Benedikt XVI. erstmals wieder auf dem Petersplatz.

150 Kardinäle, rund 1000 Bischöfe und rund 6000 Priester trafen sich auf dem Petersplatz. Foto: Massimo Valicchia (Nurphoto)

150 Kardinäle, rund 1000 Bischöfe und rund 6000 Priester trafen sich auf dem Petersplatz. Foto: Massimo Valicchia (Nurphoto)

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Als erstes katholisches Kirchenoberhaupt hat Papst Franziskus gestern mit Johannes XXIII. und Johannes Paul II. zwei Amtsvorgänger gleichzeitig heiliggesprochen. Bei der Festmesse auf dem Petersplatz waren zudem erstmals in der Kirchengeschichte auch zwei Päpste zugegen: Neben Franziskus erschien sein im Vorjahr zurückgetretener Vorgänger Benedikt XVI. Hunderttausende Pilger erlebten so eine nie da gewesene Selbstzelebration des Papsttums, allein 500'000 auf dem Petersplatz und der Zugangstrasse Via della Conciliazione, weitere 300'000 auf den Plätzen der Römer Altstadt, wo die Zeremonie auf Grossleinwänden übertragen wurde.

Der Medienevent der Superlative – erstmals wurde die Messe in 3-D-Format auch in Kinos gezeigt – geriet zum gesellschaftlichen Grossereignis insbesondere des alten Europas katholischer Prägung. 150 Kardinäle waren anwesend, rund 1000 Bischöfe sowie 6000 Priester. 90 Delegationen von Regierungen und internationalen Organisationen waren gekommen, darunter 24 Staatsoberhäupter. Aus Polen war die gesamte Staatsspitze angereist, allen voran Staatspräsident Bronislaw Komorowski, Premier Donald Tusk und Ex-Präsident Lech Walesa. Italien feierte seinen Heiligen Johannes XXIII. mit Staatspräsident Giorgio Napolitano und Premier Matteo Renzi, Frankreich und Irland hatten ebenfalls ihre Premierminister entsandt. Anwesend waren auch das spanische Königspaar, der belgische König Philippe mit seinen Eltern sowie die Grossherzoge von Luxemburg. EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy nahm teil, die Schweiz wurde von ihrem Botschafter im Vatikan, Pierre-Yves Fux, vertreten.

Der überwiegende Teil der Pilger kam aus Polen, jedoch war der erwartete Ansturm ausgeblieben. Im Vorfeld hatte sich die römische Stadtverwaltung auf Millionen Pilger eingerichtet und von der italienischen Regierung entsprechende finanzielle Unterstützung gefordert. Doch die logistischen Probleme erwiesen sich angesichts der überschaubaren Pilgermenge als durchaus lösbar. Bei den Trauerfeierlichkeiten zum Tod Johannes Pauls II. im April 2005 hatte Rom noch über vier Millionen Pilger verkraften müssen. Diesmal ging es um die Grössenordnung einer Menge, wie sie bereits am Donnerstag wieder zum Gewerkschaftsfest am 1. Mai erwartet wird. Dennoch hatte ein grosser Teil der Römer die Stadt vorsorglich verlassen. Um Pilgern ohne Herberge ein Obdach in der Nacht zum Sonntag zu bieten, hatte das Bistum Rom die Öffnung der Kirchen verfügt. Tausende kamen zur «Gebetswache», jedes zehnte Hotelzimmer blieb auch deshalb unbelegt.

Franziskus bedankte sich nach der Messe ausdrücklich bei den italienischen Behörden für die Unterstützung bei der Organisation, auch dies ein Novum in der Papstgeschichte. Seine beiden nunmehr heiligen Vorgänger Johannes XXIII. und Johannes Paul II. würdigte der Papst als «mutige Männer». Johannes sei ein «Papst der Modernisierung» gewesen, Johannes Paul II. ein «Pontifex der Familie». Beide, so betonte Franziskus, hätten die Tragödien des 20. Jahrhunderts persönlich erfahren. Der Italiener Angelo Roncalli war als Sanitäter für sein Heimatland im 1. Weltkrieg im Einsatz, der Pole Karol Wojtyla hatte die Schrecken des 2. Weltkriegs und die Judenverfolgung durch deutsche Nationalsozialisten erlebt.

Mit Spannung war der erste öffentliche Auftritt von Joseph Ratzinger seit seinem Rücktritt im Februar 2013 erwartet worden. Benedikt XVI. hatte bis kurz vor Beginn der Festmesse wegen seiner fragilen Gesundheit mit der Zusage abgewartet. Der frühere Papst erschien in einem schlichten, weissen Messgewand und wurde von Franziskus umarmt, bevor er sich zu den Kardinälen setzte. Dort hat Joseph Ratzinger als erster «papa emerito» seit dem Verzicht von Coelestin V. vor 700 Jahren ganz selbstverständlich seinen Platz gefunden.

Erstellt: 28.04.2014, 07:05 Uhr

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