Her Majesty's Horchposten in Berlin

Die USA sind offenbar nicht die Einzigen, welche die deutsche Regierung bespitzelten. Offenbar unterhält Grossbritannien auf dem Dach der Berliner Botschaft eine Abhöranlage. Nun wurde der Botschafter zitiert.

Von hier aus soll auch nach den ersten Enthüllungen in der NSA-Spitzelaffäre noch abgehorcht worden sein: Die britische Botschaft in Berlin.

Von hier aus soll auch nach den ersten Enthüllungen in der NSA-Spitzelaffäre noch abgehorcht worden sein: Die britische Botschaft in Berlin. Bild: Keystone

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Ausser den USA soll auch Grossbritannien das Regierungsviertel der deutschen Hauptstadt Berlin mit einer eigenen Abhörstation belauschen. Die britische Tageszeitung «The Independent» berichtete, dass sich auch auf dem Dach der britischen Botschaft ein Spitzelposten befindet.

Offiziell gab es dafür keine Bestätigung. Botschaftssprecher William Gatward sagte nur: «Wir können zu geheimdienstlichen Aktivitäten keine Auskunft geben.»

Horchposten auf dem Dach

Nach Informationen des «Independent» befindet sich der mehrere Meter hohe Aufbau in Form eines Zylinders bereits seit der Eröffnung im Jahr 2000 auf dem Dach der Vertretung. Er ähnele den Spionageeinrichtungen, die der britische Geheimdienst GCHQ in anderen Ländern im Einsatz habe.

Die britische Botschaft liegt in der Wilhelmstrasse in unmittelbarer Nähe des Brandenburger Tors, nur wenige Meter von der amerikanischen Botschaft entfernt. Der deutsche Bundestag und das Kanzleramt sind nicht weit entfernt. Die Amerikaner haben ebenfalls einen Aufbau auf dem Dach, dessen Inneres vor allen Blicken geschützt ist.

Dokumente von Snowden

Das Blatt stützt sich auf Dokumente, die der amerikanische Ex-Geheimdienstler Edward Snowden beiseite geschafft haben soll, sowie auf Luftbildaufnahmen. Snowden hat inzwischen vorübergehend Asyl in Russland erhalten.

In Deutschland gibt es seit den Enthüllungen über eine jahrelange Abhör-Aktion gegen Bundeskanzlerin Angela Merkel eine Debatte, ob er dort eine Aufenthaltserlaubnis bekommen soll. Von der Bundesregierung gab es zu den Vorwürfen zunächst keinen Kommentar.

Botschafter ins Aussenamt gebeten

Allerdings bat Aussenminister Guido Westerwelle den britischen Botschafter in Berlin zum Gespräch. Der Diplomat Simon McDonald sei darauf hingewiesen worden, dass «das Abhören von Kommunikation aus den Räumlichkeiten einer diplomatischen Mission ein völkerrechtswidriges Handeln wäre», teilte eine Sprecherin des Auswärtiges Amtes anschliessend mit.

Im Unterschied zu US-Botschafter John Emerson wurde McDonald nicht offiziell einbestellt. Westerwelle führte das Gespräch auch nicht selbst, sondern überliess es einem Beamten.

Der britische Premierminister David Cameron verteidigt die britische Spionage bislang stets mit dem Argument, sie diene der nationalen Sicherheit. Cameron verweigerte bisher auch seinen EU-Partnern Auskunft über die britischen Aktivitäten. (kpn/sda)

Erstellt: 05.11.2013, 17:57 Uhr

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