«Ich bin nicht pädophil»

Der ehemalige deutsche Abgeordnete Sebastian Edathy räumt ein, Nacktbilder von Kindern gekauft zu haben. Pädophil sei er aber nicht. Für Entschuldigungen sieht er keinen Anlass: Er habe nichts Illegales getan.

«Man muss daran keinen Gefallen finden, man darf es aber»: Sebastian Edathy. (27. Januar 2012)

«Man muss daran keinen Gefallen finden, man darf es aber»: Sebastian Edathy. (27. Januar 2012) Bild: Tobias Schwarz /Reuters

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Der frühere SPD-Parlamentarier Sebastian Edathy bestreitet, pädophil zu sein. Nach eigenen Worten ist er ein Gegner von Kinderpornografie. «Kindesmissbrauch ist verwerflich und ist zu bestrafen. Diesen habe ich weder begangen noch unterstützt», sagte der 44-Jährige dem Nachrichtenmagazin «Der Spiegel». Sein Fall hatte im Februar die erste grosse Krise in der schwarz-roten Koalition ausgelöst.

Edathy verteidigte zugleich, dass er Nacktaufnahmen von Kindern und Jugendlichen gekauft hat. «Man muss daran keinen Gefallen finden, man darf es aber.» Wenn jemand das nicht gut finde, «kann ich das verstehen», sagte er. In der Kunstgeschichte habe der männliche Akt aber eine lange Tradition, auch der Kinder- und Jugendakt.

Der Innenpolitiker, gegen den wegen des Verdachts auf Besitz von Kinderpornografie ermittelt wird, hält sich laut «Spiegel» an einem geheimen Ort in Südeuropa auf.

Keine Entschuldigung

Edathy lehnte eine Entschuldigung ab. Die gekauften Nacktbilder seien nicht illegal. «Ich muss und werde mich für mein Privatleben nicht entschuldigen oder rechtfertigen. Niemand, der sich im privaten Bereich rechtskonform verhält, muss das.» Der Schutz der Privatsphäre sei elementar für einen Rechtsstaat.

Der Soziologe und Sprachwissenschaftler, dessen Vater in den 1960er-Jahren aus Indien nach Deutschland kam, hatte Anfang Februar aus gesundheitlichen Gründen nach 15 Jahren sein Bundestagsmandat niedergelegt. Er ist unverheiratet und hat keine Kinder. Bekannt wurde der Innenpolitiker als Vorsitzender des NSU-Untersuchungsausschusses.

Im Zusammenhang mit der Edathy-Affäre ermittelt die Berliner Staatsanwaltschaft inzwischen gegen den als Bundesminister zurückgetretenen CSU-Politiker Hans-Peter Friedrich. Es geht um möglichen Geheimnisverrat. Er hatte im Oktober 2013 während der Koalitionsverhandlungen – als damaliger Innenminister – SPD-Chef Sigmar Gabriel darüber informiert, dass der Name Edathy bei Ermittlungen im Ausland aufgetaucht war.

Vorwürfe erhob Edathy auch gegen seine Partei. Das von SPD-Chef Sigmar Gabriel angestrebte Ordnungsverfahren sei unhaltbar, bevor die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Hannover abgeschlossen seien. Er halte es für problematisch, «wenn die Kategorie des moralischen Verhaltens im privaten Bereich für ein Ausschlussverfahren leitend sein soll». (rub/sda)

Erstellt: 16.03.2014, 13:20 Uhr

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