«Ich war im Bademantel, und da stand die Staatsanwaltschaft vor der Tür»

Uli Hoeness bricht sein Schweigen über die Steueraffäre. Er zeigt sich verzweifelt. «Ich habe eine grosse Torheit begangen, einen Riesenfehler», sagte er gegenüber der «Zeit». Und er sprach über die Lust am Zocken.

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Uli Hoeness hat seine Steueraffäre einen Riesenfehler genannt. In einem in Auszügen vorab veröffentlichten Interview der Wochenzeitung «Zeit» schildert sich der Präsident des FC Bayern München als ein Mann, der über viele Jahre exzessiv an der Börse spekuliert habe.

Grundlage dafür sei ein Kredit des früheren Adidas-Chefs Robert-Louis Dreyfus gewesen. In den Jahren 2002 bis 2006 habe er «richtig gezockt», räumte Hoeness ein. Die Beträge seien «teilweise extrem» gewesen. «So kamen die Millionen auf das Konto, es war immer klar, das war ein Konto zum Zocken, für nichts anderes», wird der Fussball-Manager zitiert. «Das war der Kick, das pure Adrenalin», sagte Hoeness.

«Ich habe zu viele Verluste gemacht»

Er habe schon lange vor dem Dreyfus-Kredit angefangen zu spekulieren: «Mal 50'000 Dollar, das war es. Das wurde heftiger, als alle an der Börse spielten, zur Zeit der grossen Internetblase.» Als die Blase geplatzt sei, habe er schwere Verluste gemacht, «ich war da richtig klamm». Das sei der Moment gewesen, «als Dreyfus mir anbot, lass uns was zusammen machen, er würde es finanzieren».

Den «Ausstieg» aus seinen Börsenaktivitäten beschreibt er wie folgt: «Ich habe zu viele Verluste gemacht. Ich konnte nicht mehr so viel zocken. Und dann kam 2008 die Finanzkrise, und dann ging es endgültig in den Keller. Ausserdem bin ich auch nicht mehr so wie früher auf der ständigen Suche nach dem grossen Kick. Ich werde älter. Ich bin 61 Jahre alt.»

«Und denke nach und verzweifle»

Die aktuelle Situation sei für ihn schwer erträglich, auch sein Sturz vom Vorbild zum Buhmann: «Das ist für mich ein ganz grosses Problem.» Er fühle sich «auf die andere Seite der Gesellschaft katapultiert, ich gehöre nicht mehr dazu». Er mache sich «natürlich riesige Vorwürfe»: «Ich habe Riesenmist gebaut, aber ich bin kein schlechter Mensch». Der 61-Jährige sprach in dem Interview auch über den grossen Druck, den er seit der Durchsuchung seines Hauses Mitte März verspüre: «Es ist eine Situation, die kaum auszuhalten ist.» Er schlafe sehr schlecht, wälze sich stundenlang im Bett umher. «Und denke nach, denke nach und verzweifle.»

Erst vor kurzem war bekanntgeworden, dass Hoeness im Januar mit einer Selbstanzeige die Hinterziehung von Steuern eingeräumt hatte. Gemäss Medienberichten soll er die Erträge von Kapitalanlagen in der Schweiz vor dem Fiskus verborgen haben.

«Ich war im Bademantel»

In dem Gespräch rekonstruiert Hoeness die Vorgänge seit Abgabe seiner Selbstanzeige im Januar: Von der Tatsache, dass seine Selbstanzeige öffentlich wurde, sei er vollkommen überrascht worden. Bis zum 19. März, dem Tag vor der Durchsuchung seines Hauses, sei er davon ausgegangen, dass er keine Strafverfolgung zu befürchten habe. «Am 20. März änderte sich dann mein Leben, morgens um sieben. Da läutete es an der Tür in meinem Haus am Tegernsee, ich war im Bademantel, und da stand die Staatsanwaltschaft vor der Tür», sagte er und fügte hinzu: «Da begann die Hölle für mich.»

In dem Interview schliesst Hoeness kategorisch jegliche Verbindung dieses Kontos zum FC Bayern München aus: «Dieses Konto war ganz allein Uli Hoeness.» Auch gebe es keine weiteren nicht erklärten Konten. (bru/sda/AFP)

Erstellt: 01.05.2013, 14:08 Uhr

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