In Spanien unter Freunden

Die mächtigen Politiker schützen sich gegenseitig.

Rodrigo Rato (M.) hat in seinem Leben viel Geld verdient. Die Millionen, die dabei zusammenkamen, hat er offenbar nicht ordnungsgemäss versteuert. Foto: Reuters

Rodrigo Rato (M.) hat in seinem Leben viel Geld verdient. Die Millionen, die dabei zusammenkamen, hat er offenbar nicht ordnungsgemäss versteuert. Foto: Reuters

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Für den spanischen Justizminister Rafael Catalá ist die vorübergehende Festnahme Rodrigo Ratos letzte Woche der Beleg dafür, «dass das System funktioniert», dass das Gesetz für alle gleich ist. Kein Name ist heilig, auch nicht der des Ex-Wirtschaftsministers, des früheren stellvertretenden Regierungschefs, des Ex-Direktors des Internationalen Währungsfonds (IWF), Rodrigo Rato.

Rato hat in seinem Leben viel Geld verdient. Die Millionen, die dabei zusammenkamen, hat er offenbar nicht ordnungsgemäss versteuert. Doch er ist kein Uli Hoeness oder keine Alice Schwarzer, er ist ein ehemaliger Finanzminister und IWF-Direktor. Er selbst findet allerdings, das alles sei eine private Angelegenheit.

Den öffentlich zur Schau getragenen Gleichmut kann er sich leisten, weil ihm seine alten Freunde die passenden Gesetze dafür gemacht haben. Ende 2011 wählten die Spanier die konservative Volkspartei an die Macht. Ministerpräsident wurde Mariano Rajoy, Ratos ehemaliger Kabinetts­kollege zu Zeiten der Regierung von José María Aznar (1996 bis 2004). Eine der ersten Massnahmen der Rajoy-Regierung war eine Steueramnestie.

Goldene Brücken

Vielleicht ahnte Rajoy nicht, dass sein alter Kollege auf Millionen unversteuerten Euros sass, die er gern legal geniessen wollte. Doch wie immer eine Regierung einen Deal wie diesen verkauft: Am Ende ist es ein Freundschaftsdienst für die Wohlhabenden, die es sich leisten können, ihr Geld im Ausland zu verstecken. Rato ist nur das Symptom eines korrupten Systems, das jemanden wegen eines 857-Euro-Betrugs für mehr als zwei Jahre ins Gefängnis steckt, den Millionenbetrügern aber goldene Brücken zurück in die Legalität baut.

Irgendwas muss im Falle Ratos dann noch schiefgelaufen sein. Die Finanzbehörden begannen sich für die Herkunft seines Vermögens zu interessieren. Worin genau der Verdacht besteht, ist unbekannt. Es ist aber gut möglich, dass die Ermittlungen im Sande verlaufen. Denn das System funktioniert – gewöhnlich zugunsten von Leuten wie Rato.

Erstellt: 19.04.2015, 19:05 Uhr

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