Antisemitische Flugblätter in der Ukraine wohl Fälschung

Die Verteilung von rassistischer Flugblätter im ostukrainischen Donezk hat international harsche Reaktionen ausgelöst. Ein Rabbi aus der Stadt hält die Flugblätter allerdings für unecht.

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Laut Medienberichten haben drei maskierte Männer vor einer Synagoge im ostukrainischen Donez antisemitische Flugblätter verteilt, als die Gläubigen gerade einen Gottesdienst zur Feier des Pessach-Festes verliessen. In den Flugblättern mit dem Symbol der selbsterklärten separatistischen Republik Donezk und der russischen Flagge wurden die Juden aufgerufen, sich bei den Behörden der selbsternannten Republik registrieren zu lassen. Andernfalls würden sie deportiert und ihr Besitz konfisziert.

Die Flugblätter wurden vom ukrainische Ministerpräsidenten Arseni Jazenjuk sowie von US-Aussenminister John Kerry scharf verurteilt. Wie der britische «Guardian» berichtet, handelt es sich bei den Flugblätter allerdings wohl nicht um das Werk von Antisemiten oder Neonazis. Der Rabbi der betroffenen Synagoge sieht die Flugblätter allerdings nicht als echt antisemitisch an. «Ich glaube, dass jemand die jüdische Gemeinschaft in Donezk in diesem Konflikt instrumentalisieren will. Darum sind wir wütend», sagte Pinchas Vishedski laut dem «Guardian».

Donezk ist wie mehrere weitere Städte im Osten der Ukraine praktisch unter der Kontrolle prorussischer Milizen. Kiew und der Westen werfen Russland vor, den Aufstand mit Sondereinsatzkräften zu unterstützen und zu lenken, um so wie auf der ukrainischen Halbinsel Krim die Annexion des Gebiets vorzubereiten.

Obama angewidert

Die US-Organisation Anti-Defamation League hatte sich schon zuvor «skeptisch über die Echtheit des Flugblatts» gezeigt. In den vergangenen Monaten sei der Vorwurf des Antisemitismus in der Ukraine in zahlreichen Fällen «zynisch und politisch manipulierend» angewendet worden, sagte ihr Chef Abraham Foxman.

Rechtsparteien an Übergangsregierung beteiligt

Der Vorwurf des Judenhasses betraf bis anhin eher die Gegenseite: Russland und die prorussischen Kräfte in der Ukraine werfen Jazenjuk vor, mit «faschistischen» Gruppen zu paktieren. Tatsächlich sind die rechtsradikale paramilitärische Gruppe Prawy Sektor und die ultranationalistische Swoboda-Partei an der Übergangsregierung in Kiew beteiligt.

Swoboda-Politiker waren in der Vergangenheit wiederholt mit anti-semitischen Parolen aufgefallen. Jüdische Gruppen haben sich aber auch besorgt über die militanten prorussischen Gruppen geäussert.

Bis zum Zweiten Weltkrieg lebten in der Ukraine sehr viele Juden, die jedoch zu grossen Teilen während der Besatzung durch das Deutsche Reich von SS-Einsatzgruppen ermordet wurden. Die Ukraine war eines der Hauptverbreitungsgebiete der jiddischen Sprache. Die Überlebenden wandern seitdem in die USA, nach Israel und zum kleinen Teil nach Deutschland aus. Bei der letzten Volkszählung im Jahr 2001 lebten noch rund 100'000 Juden in der Ukraine. Ihre Zahl nimmt wegen der erwähnten Auswanderung und des allgemeinen Geburtenrückgangs weiterhin ab.

Papst: Den Unterdrückten zur Seite stehen

Ein Kontrastpunkt zur antisemitischen Stimmung versucht derweil Papst Franziskus zu setzen. In seiner Predigt auf dem Petersplatz vor 150'000 Menschen betete er untern anderem für den Frieden in der Ukraine. Franziskus wies darauf hin, dass dieses Jahr Christen aller Konfessionen zeitlich gesehen zusammen Ostern feiern, also auch Mitglieder der orthodoxen Kirchen in der Ukraine.

Er bat Gott, den Förderern des Friedens in der ehemaligen Sowjetrepublik zur Seite zu stehen. Alle Beteiligten sollten mit der Unterstützung der internationalen Gemeinschaft jede Anstrengung unternehmen, Gewalt zu verhindern, sagte er. Der Papst forderte die Gläubigen aber auch auf, sich der Bedürftigen in ihrer Heimat anzunehmen. Die Osterfreude bedeute auch, «denen nahezustehen, die von den Problemen des Lebens erdrückt werden, mit den Bedürftigen zu teilen, den Kranken, Alten und Ausgegrenzten zur Seite zu stehen». (mrs/mw/AFP/sda)

Erstellt: 20.04.2014, 18:45 Uhr

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