Italien muss Amanda Knox entschädigen

Vier Jahre sass die US-Bürgerin nach einem Mordurteil in Italien in Haft, dann der Freispruch und die Heimreise. Jetzt stellt das Strassburger Gericht Mängel fest.

Das war im Jahr 2008. Amanda Knox wurde nach einer Anhörung vor einem italienischen Gericht von Polizisten begleitet.

Das war im Jahr 2008. Amanda Knox wurde nach einer Anhörung vor einem italienischen Gericht von Polizisten begleitet. Bild: Antonio Calanni/Keystone

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Italien muss der erst wegen Mordes verurteilten und dann freigesprochenen US-Bürgerin Amanda Knox mehr als 18’000 Euro Entschädigung zahlen. Die italienischen Behörden hätten bei der Befragung Knox’ mehrere ihrer Menschenrechte verletzt, urteilte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte am Donnerstag in Strassburg. So sei man nicht den Anschuldigungen der US-Amerikanerin nachgegangen, von der Polizei geschlagen und unter Druck gesetzt worden zu sein, hiess es.

Ausserdem habe Italien nicht zufriedenstellend begründet, warum Knox im Jahr 2007 bei einem entscheidenden Polizeiverhör keinen Anwalt gestellt bekommen habe. Damit habe Italien gegen das Recht auf eine faires Verfahren sowie - auf prozeduraler Ebene - gegen das Misshandlungsverbot verstossen. Das Urteil kann noch innerhalb von drei Monaten angefochten werden.

Knox war 2009 wegen Mordes an der britischen Austauschstudentin Meredith Kercher in Italien zu einer langen Haftstrafe verurteilt worden – nach fast acht Jahren Justizgerangel kam jedoch der Freispruch für Knox.

Sie hatte als «Engel mit den Eisaugen» Bekanntheit erlangt und schon rund vier Jahre in Haft gesessen. Ein Urteil wegen falscher Verdächtigung blieb jedoch bestehen: Knox hatte nach Überzeugung der italienischen Richter einen Bekannten des Mordes an Kercher beschuldigt, obwohl sie um seine Unschuld wusste.

Die Amerikanerin machte jedoch vor dem Strassburger Gericht geltend, dass sie diese Aussage im Schockzustand nach dem Fund der Toten und unter dem Eindruck von Schlägen der Polizei gemacht habe. Ausserdem habe ihr weder ein Anwalt noch ein Dolmetscher zur Seite gestanden. (sda)

Erstellt: 24.01.2019, 12:51 Uhr

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