Jeder zweite Vorarlberger wäre lieber Schweizer

Wirtschaftlicher Erfolg, Stabilität, Frieden: Die Schweiz ist für viele Vorarlberger ein Vorbild. Jeder Zweite will sogar weg von Österreich – und Schweizer sein.

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Vor fast 90 Jahren wollten sich die Vorarlberger der Schweiz anschliessen. Satte 82 Prozent stimmten 1919 in einem Referendum für einen Anschluss an die Schweiz – die Eidgenossenschaft lehnte den neuen Kanton jedoch unter internationalem Druck ab.

Seitdem ist viel Wasser den Rhein runtergeflossen. Doch viele Vorarlberger träumen noch immer davon, ihren Pass auszutauschen: Eine Umfrage des Österreichischen Rundfunks ORF zeigt, dass jeder zweite Vorarlberger lieber Schweizer wäre. ORF führte die Umfrage im Vorfeld der Ausstellung «Kanton Übrig» im Vorarlberger Landesmuseum durch, die an die Anschlussbewegung erinnert.

«Eine Überraschung»

Ausstellungsmacher Stefan Graf erklärt das Ergebnis der Radioumfrage mit dem «Polit-Frust» vor der kürzlichen Bundeswahl. Trotzdem ist das Resultat in seinen Augen eine Überraschung und hänge wahrscheinlich auch mit der späten österreichischen Identitätsfindung zusammen, die aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg datiere. Nach dem Ersten Weltkrieg waren die politischen Bestrebungen auf einen Zusammenschluss mit Deutschland ausgerichtet gewesen, sagt der Historiker – ausser in Vorarlberg und Tirol.

Die Erfahrung, dass diese Politik mit dem Anschluss an Nazi-Deutschland 1938 im Desaster endete, wirke offenbar noch nach. «Die Schweiz ist in diesem Kontext weiterhin das leuchtende Vorbild für wirtschaftlichen Erfolg, Stabilität und Frieden».

Ein Bundesrat musste zurücktreten

Vater der Anschlussbewegung war 1918 der Lustenauer Volksschullehrer Ferdinand Riedmann. Nach dem überdeutlich ausgefallenen Abstimmungsergebnis vom 11. Mai 1919 stellte sich in der Schweiz der damalige Bündner Bundesrat Felix-Luis Calonder an die Spitze der Anschluss-Befürworter: Er sah in den Vorarlberger Alpenpässen eine Aufwertung der Schweiz als Transitland.

Nachdem jedoch im Friedensvertrag von Saint Germain von den Siegermächten des Ersten Weltkrieges die territoriale Unveränderbarkeit von Österreich festgeschrieben worden war, musste Calonder im Dezember 1919 als «Prügelknabe der internationalen Politik» zurücktreten.

Tessin gegen Vorarlberg?

Wien, Berlin und Rom hatten auf die «expansionistische Schweizer Aussenpolitik» harsch reagiert. Italien forderte gar als Kompensation für einen Beitritt Vorarlbergs zur Schweiz die Abtretung des Tessins. Nach dem Anschluss-Fiasko verspottete das in der Zwischenkriegszeit mehrheitlich grossdeutsch gesinnte Österreich Vorarlberg als «Kanton Übrig». (cha/ap)

Erstellt: 11.06.2010, 10:14 Uhr

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