Julian Assange und die Hilfe der Isländer

Seit Wochen dominiert Wikileaks die Schlagzeilen - über den Gründer Julian Assange weiss man kaum etwas. Noch weniger ist über seine Mitstreiter bekannt. Viele von ihnen operieren von Island aus.

Julian Assange und die Hintermänner: Auf Island hat der Wikileaks-Gründer einen grossen Rückhalt.

Julian Assange und die Hintermänner: Auf Island hat der Wikileaks-Gründer einen grossen Rückhalt. Bild: Keystone

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Seit 2007 deckt die Enthüllungsplattform Wikileaks auf, was korrupte Politiker, Grossaktionäre oder Kriegsgeneräle am liebsten unter Verschluss halten möchten. Besonderes Aufsehen erregte Wikileaks mit einem Video, das zeigt, wie amerikanische Soldaten im Irak Zivilisten erschiessen. Der Isländer Gudmundur Ragnar Gudmundson hat wochenlang mit Julian Assange zusammengearbeitet. Dann stellten sie die brisanten Filme für die Welt ins Netz.

«Wir wussten, das würde Einiges auslösen. Das war eine ganz grosse Kiste», sagt Gudmundson in der «Rundschau» des Schweizer Fernsehens. «Wir hatten enormen Druck. Wir wollten das gut machen und hatten Angst, jemand könnte wirklich wütend werden und wir landen alle im Knast, bevor wir das Video herausbringen».

Verbündete im isländischen Parlament

Julien Assange hat auch eine Verbündete im isländischen Parlament: Birgitta Jonsdottir ist Abgeordnete und Menschenrechtlerin. Auch sie war massgeblich an der Veröffentlichung des Geheimvideos beteiligt. Später allerdings, als der Personenkult um Julian Assange zunahm, wandte sie sich von ihm ab. «Der Botschafter darf nicht wichtiger werden, als die Botschaft selbst. Das ist bei Wikileaks der Fall geworden. Ich war noch nie für diese Helden-Verehrung. Ich verstehe nicht, warum die Leute immer jemanden brauchen, der ihnen sagt, was sie tun oder denken sollen. Das gehört doch zu einer vergangenen Welt», sagt sie zur «Rundschau».

Warum hat Wikileaks gerade in Island viele Verbündete? Das Land mit seinen 300'000 Einwohnern gilt als Hafen für Presse- und Internetfreiheit. Auf Anstoss der Wikileaks-Sympathisantin Jonsdottir entsteht hier eines der liberalsten Internet-Gesetze der Welt. Damit in Zukunft die Machenschaften der Mächtigen besser aufgedeckt werden können - ohne Furcht vor Strafe. «Wenn man Zeuge eines kriminellen Vorfalls wird, dann muss man das an die Öffentlichkeit bringen. Wegen der Sicherheit kann man das manchmal nur heimlich tun. Und wenn man auf diese Art Missstände aufklärt, ist man doch kein Krimineller», meint Jonsdottir.

«Wir müssen den Leuten Mut machen»

Die Gruppe um Julien Assange steht heute allerdings nicht mehr einhellig hinter Assange. Einige der alten Mitstreiter stören sich daran, dass neben Julien Assange der wichtigste Informant vergessen geht: der amerikanische Obergefreite Bradley Manning. Er sitzt als Staatsverräter im US-Gefängnis. Ihm drohen 50 Jahre Haft. «Manchmal müssen Dinge an die Öffentlichkeit. Wir müssen den Leuten Mut machen, auf Missstände aufmerksam zu machen. Wenn wir uns jetzt nicht für Bradley einsetzen, wird sich keiner trauen, Informationen preiszugeben», sagt Birgitta Jónsdóttir,

In Island bekommt das auch ein Schweizer zu spüren. In Reykjavik ist der Sitz der Firma Datacell. Sie wickelt den Spendenverkehr für Wikileaks ab. Direktor der Firma ist der Schweizer Andreas Fink. Seit die Kreditkarten Visa und Mastercard ihre Dienstleistungen an Wikileaks eingestellt haben, entgehen Datacell Einnahmen in Millionenhöhe. Für den Anbieter ist klar: Visa und Mastercard werden von den USA unter Druck gesetzt. Andreas Fink hat eine Klage eingereicht gegen Mastercard und Visa. «Wir haben Indizien, weil wir eine andere Kreditkartenfirma angefragt haben, ob wie Spenden über sie abwickeln können und die Antwort war, dass sie das aufgrund von Druck der amerikanischen Regierung nicht machen könnten», sagt er. (pbe)

Erstellt: 15.12.2010, 21:23 Uhr

Birgitta Jonsdottir. (Bild: Screenshot SF)

Gudmundur Ragnar Gudmundson. (Bild: Screenshot SF)

Datacell verklagt Kreditkarten-Firmen

Datacell-Geschäftsführer Andreas Fink reicht am Donnerstag Klage gegen Mastercard und Visa ein, berichtet die «Rundschau». Beide Firmen haben den Zahlungsverkehr für Wikileaks eingestellt. Andreas Fink hat aus dem Umfeld der Kreditkartenfirma Diners Club gehört, dass die US-Regierung die Annahme von Spendengeld für die Enthüllungsplattform untersagt.

Seit dem 23. Oktober hat der Basler IT-Fachmann über seine Firma Datacell Online-Spenden für Wikileaks entgegen genommen. Am 7. Dezember aber drehten Visa und Mastercard den Geldhahn zu. Seither seien Wikileaks schätzungsweise eine Million Franken entgangen, sagt Andreas Fink zur «Rundschau».

Für Fink ist klar: Visa und Mastercard werden von den USA unter Druck gesetzt. «Wir haben Indizien, weil wir eine andere Kreditkartenfirma angefragt haben, ob wir Spenden über sie abwickeln können, und die Antwort war, dass sie das aufgrund des Drucks der amerikanischen Regierung nicht machen können». (pbe)

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