Kabale und Hiebe

Die Regierung in Rom vergiftet skrupellos das Verhältnis zu Paris – sie erhofft sich Stimmen.

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Was werden sich die Chefstrategen in der italienischen Regierung als Nächstes einfallen lassen, um Frankreich zu provozieren? Präsident Emmanuel Macron zur Persona non grata erklären? Oder die Rückgabe der Stadt Nizza an Italien fordern, die einst zum Piemont gehörte? Die Vizepremiers in Rom, Matteo Salvini von der Lega Nord und Luigi Di Maio von den Fünf Sternen, werden jedenfalls weiter gegen Paris wettern. Denn im Mai stehen Europawahlen an. Da setzen die beiden auf den bewährten Populisten-Trick, einen äusseren Feind aufzubauen, um die Stimmen der eigenen Bürger zu ergattern.

Und Frankreich eignet sich bestens als Gegner. Zwar fühlen sich Italiener und Franzosen einerseits zueinander hingezogen, als sprachliche und zivilisatorische Erben des Römischen Reichs, als grosse Kulturnationen. Anderseits argwöhnen viele Italiener, die Franzosen betrachteten sie wie arme, nicht ganz ernst zu nehmende Cousins und Cousinen. Und die Franzosen tun nicht immer alles, dies zu entkräften.

Hinzu kommen Interessengegensätze. Italien kritisiert, Frankreich mische sich in der ehemaligen italienischen Kolonie Libyen ein und missachte dort italienische Interessen. Auch fühlt sich Italien, durchaus mit Recht, von Frankreich in der Flüchtlingskrise alleingelassen und verbittet es sich daher, aus Paris Moralpredigten zu erhalten. In der Wirtschaftspolitik gibt es ebenfalls immer wieder Krach. Die Franzosen kauften italienische Firmen auf, schützten aber eigene Unternehmen vor Übernahmen, klagt man in Rom. Dass Frankreich Terroristen aus dem Nachbarland beherbergte oder noch immer beherbergt, stört ebenfalls die Beziehungen.

Salvini und Di Maio geht es nicht in erster Linie um die Sache – sondern um Emotionen. Daher greifen sie Präsident Macron immer wieder persönlich an. Jüngstes Beispiel: Salvini geiferte, Frankreich habe «einen miserablen Präsidenten der Republik». Macron schwätze viel und schaffe wenig. Die Franzosen sollten sich schnellstmöglich von ihm befreien.

Der französische Präsident ist geradezu zur Hassfigur von Salvini und Di Maio geworden. Denn er verkörpert in vielem ihr Gegenteil. Macron will Europa stärken, er will sein Land strukturell reformieren, er sucht die konstruktive Zusammenarbeit mit Brüssel und Berlin. Salvini und Di Maio hingegen möchten Europa zugunsten der Nationalstaaten schwächen, sie streuen Staatsgeld auf Pump unter die Wähler, nehmen Reformen früherer Regierungen zurück.

Die französische und die italienische Regierung stehen also für die beiden grossen Kräfte, die derzeit um die Seelen der Bürger ringen: die freiheitlich-liberal-europäische Kraft und die autoritär-nationalistische. Bei der Europawahl prallen sie aufeinander.

Erstellt: 23.01.2019, 21:29 Uhr

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