Kiews seltsame Mauerbaupläne

Die Ukraine will die Grenze zu Russland mit Zäunen, Gräben und Stacheldraht befestigen. Militärisch ist dies nahezu nutzlos – die Regierung dürfte aber andere Ziele verfolgen.

Der Nutzen einer Grenzbefestigung ist gering: Panzer im ukrainisch-russischen Grenzgebiet. (28. August 2014)

Der Nutzen einer Grenzbefestigung ist gering: Panzer im ukrainisch-russischen Grenzgebiet. (28. August 2014) Bild: Reuters

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2295 Kilometer misst die Grenze zwischen der Ukraine und Russland. Grösstenteils führt sie über offene Felder – da ist es für russische Verbände kein Problem, in die umkämpften ostukrainischen Provinzen einzudringen. Mit 8000 Militärstellungen, 4000 Unterständen und 1500 Kilometer langen Gräben will der ukrainische Präsident Petro Poroschenko nun sein Land gegen Eindringlinge aus dem Osten verteidigen. Langfristig soll die Grenze gar auf ihrer ganzen Länge befestigt werden.

Am Mittwoch haben nun die Bauarbeiten für das Projekt begonnen, das Stena (Mauer) heisst. Gemäss Illustrationen, die im Internet zirkulieren, soll es sich um eine kombinierte Anlage aus Gräben, Zäunen und Stacheldraht handeln, durch deren Mitte eine Strasse führt, auf welcher die Grenzwacht patrouillieren könnte.

So könnte die Grenzbefestigung aussehen: Illustration aus dem Internet. (10mbk/Facebook)

Beispiele für gewaltige Mauern und Zäune zur Befestigung von Grenzen gibt es viele. Anders als die Grosse Mauer in China dienen moderne Anlagen allerdings nicht zur Abwehr fremder Armeen, sondern als Barrieren, die Flüchtlingen den illegalen Grenzübertritt verwehren sollen, so etwa an den Grenzen USA-Mexiko und Griechenland-Türkei. Hinzu kommt die israelische Sperranlage um den Gazastreifen.

Wie weit eine ukrainische «Mauer» Eindringlinge aus Russland abhalten könnte, ist allerdings unklar. Einzelne Freischärler könnte sie wohl aufhalten – gut bewaffnete Verbände aber kaum. Solche Anlagen stoppen illegale Einwanderer, Migranten und Terroristen, aber sie helfen nicht gegen bewaffnete Kräfte, zitiert «Spiegel online» den Militärexperten Nikolai Sungurowsky vom Kiewer Rasumkow-Zentrum. «Militärisch ist die Mauer nicht von Nutzen.»

Milliarden statt Millionen

Hinzu kommen praktische Probleme: Der Bau der Anlagen wird im Minimum Monate, vermutlich aber Jahre dauern, während die Auseinandersetzung mit Russland schon lange in Gange ist. Separatisten dürften die Bauarbeiten in den von ihnen beherrschten Gebieten zudem kaum dulden.

Unklar ist auch, ob der Mauerbau überhaupt finanzierbar ist. Igor Kolomoisky, Oligarch und Gouverneur von Dnipropetrowsk, sprach laut «Voice of Russia» von Kosten von 100 Millionen Euro. Dies entspräche 50 Euro pro Meter, was für den Bau einer solchen Anlage eine lächerliche Summe ist. Sungurowsky sprach gegenüber «Spiegel online» hingegen von mehreren Milliarden Euro.

Solche Mittel wird die Ukraine selber nicht aufbringen können. Gelder könnten allerdings von Privaten kommen. Swyatoslaw Oleynik, ein anderer Vertreter der Regionalbehörden von Dnipropetrowsk, sagte der Nachrichtenagentur Interfax, das Projekt werde von Stiftungen und lokalen Firmen finanziert. Alles, was es braucht, kann in der Ukraine hergestellt werden – von daher ist es ein gutes Infrastrukturprojekt für die ukrainische Industrie.

Bleibt die Frage, was die ukrainische Regierung mit dem Mauerbau bezweckt. Ein Signal für die Unabhängigkeit von Moskau ist er alleweil – und auch wirkungsvolle Propaganda im Inland: Aktivisten unterstützen das Projekt über Facebook und halten nach eigenen Angaben bereits «Schaufeln und Beton bereit». (mw)

Erstellt: 12.09.2014, 10:18 Uhr

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