Lächerlich, aber brandgefährlich

Mit den Referenden in der Ostukraine wollen lokale Grössen Druck auf die Zentralregierung ausüben.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die prorussischen Rebellen ­reklamieren den Sieg bei ihren Unabhängigkeitsreferenden, aber niemand glaubt ihnen. Die ukrainische Regierung wird das Ergebnis der Abstimmung in der Ostukraine ebenso wenig anerkennen wie der Westen. Und eigentlich müsste auch Russland zugeben, dass der Urnengang nicht den nötigen Standards entspricht: Jeder konnte wählen, wo er wollte und so oft er wollte.

Umsetzbar ist die Unab­hängigkeit von Donezk und ­Luhansk ohnehin nicht. Zwar werden die Regionen gern ­hochtrabend als industrielles Herzland der Ukraine bezeichnet. Fakt ist aber, dass die dortige Schwerindustrie, einst die Waffenschmiede der Sowjetunion, seit Jahren vor sich hinrostet. Luhansk und Donezk gehören zusammen mit der Krim zu den grössten Subventionsempfängern und sind ohne den ungeliebten ukrainischen Zentral­staat gar nicht lebens­fähig. Tragend sind heute öst­liche Regionen wie Charkiw, wo die Separatisten erklärt haben, sie würden Russlands Präsident Putin gehorchen und den Urnengang nicht durchführen.

Dass gestern in Donezk und Luhansk trotz allem viele Menschen zu den Urnen gegangen sind, hängt vor allem damit zusammen, dass man der neuen Führung in Kiew nicht traut. Laut Umfragen sind fast 70 Prozent der Ostukrainer gegen die durch die Revolution auf dem Maidan an die Macht gekommene Übergangsregierung. Das heisst aber keineswegs, dass sie auch für eine Loslösung vom Zentralstaat sind: Die ­Ukraine hat auch im Osten des Landes eine Mehrheit.

Vor diesem Hintergrund wäre die Abstimmung ein Witz – wenn sie nicht so gefährlich wäre. Denn statt des Volkes ­stehen hinter den Bewaffneten neben Russland auch einflussreiche Lokalgrössen. Die Region Donezk ist das Stammland des ukrainischen Ex-Präsidenten Wiktor Janukowitsch. Mit seiner Entmachtung haben Politiker und Wirtschaftsbosse ihren direk­ten Einfluss in Kiew ver­loren. Den wollen sie sich nun durch Druck auf die Übergangsregierung zurückerobern. Dabei betreiben sie ihren Machtpoker offensichtlich ohne Rücksicht auf Verluste, während der Blutzoll im Konflikt täglich steigt. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 11.05.2014, 23:04 Uhr

Bildstrecke

Referendum in der Ostukraine

Referendum in der Ostukraine Die Ostukraine stimmt über die Abspaltung vom Rest des Landes ab. 1500 Wahllokale sind eingerichtet.

Zita Affentranger, Redaktorin Ausland, über die Durchführung der Referenden in der Ostukraine.

Artikel zum Thema

«Wir wollen nichts mehr von der Ukraine hören»

Ob unabhängig oder russisch – Hautpsache ohne die «Banditen in Kiew». Vor den Wahllokalen in Donezk und Luhansk zeigt sich die Wut gegen die Übergangsregierung. Andere befürchten ein riesiges Chaos. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Paid Post

Hotelcard – das Halbtax für Hotels

Buchen Sie Ihren nächsten Kurztrip smart und zahlen Sie nur die Hälfte des offiziellen Preises.

Kommentare

Weiterbildung

Gamen in der Schule

Die Schule bereitet Kinder auf die Arbeitswelt vor. Das Rüstzeug soll auch spielerisch vermittelt werden.

Die Welt in Bildern

Nationalfeiertag: Ein Teilnehmer des St. Patrick's Festival posiert mit einer Polizistin in Dublin, Irland. (17. März 2019)
(Bild: Charles McQuillan/Getty Images) Mehr...