Lange Haftstrafe für den Guru der Islamisten

Ein Gericht in Antwerpen hat den Gründer der Islamistenorganisation Sharia 4 Belgium zu zwölf Jahren Haft verurteilt.

Zwölf Jahre Haft: Fouad Belkacem Chef der Terrorgruppe Sharia 4 Belgium wurde in Antwerpen verurteilt.

Zwölf Jahre Haft: Fouad Belkacem Chef der Terrorgruppe Sharia 4 Belgium wurde in Antwerpen verurteilt.

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Schwer bewaffnete Polizeikräfte sicherten gestern den Justizpalast in Antwerpen am Boden und aus der Luft. Das Strafgericht in der flämischen Hafenstadt verkündete das Urteil gegen Fouad Belkacem unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen: Der Gründer der Islamistengruppe Sharia 4 Belgium wird am bisher grössten Terrorprozess in Belgien zu zwölf Jahren Haft verurteilt.

Der 32-jährige Belkacem gilt als charismatischer Kopf der Gruppe. Der gebürtige Marokkaner mit bel­gischem Pass wird gemäss Urteil dafür verantwortlich gemacht, in Antwerpen junge Männer ­radikalisiert zu haben: «Sharia 4 Belgium rekrutierte diese jungen Männer für den bewaffneten Kampf und organisierte ihre Reise nach Syrien», so ein Richter. Es gebe keinen Zweifel, dass Sharia 4 Belgium eine terroristische Gruppierung sei. Fouad Belkacem war in dem fünfmonatigen Prozess einer von insgesamt 46 Angeklagten. Doch nur 8 von ihnen waren im Gerichtssaal auch tatsächlich anwesend. 28 Mitglieder der Gruppierung sollen sich noch in Syrien aufhalten, während mindestens 9 Männer bei den Kämpfen an der Seite der Islamisten vermutlich ums Leben gekommen sind.

Ein 19-jähriger Konvertit kam mit einer Bewährungsstrafe davon. Er war von seinem Vater aus Syrien zurückgeholt worden und im Verfahren wichtiger Zeuge der Anklage. Er schilderte im Verfahren, wie er von Fouad Belkacem angelockt und einer Art Gehirnwäsche unterzogen wurde. Weitere Mitglieder der Gruppe wurden zu Freiheitsstrafen zwischen drei und fünf Jahren verurteilt.

Belkacem war in Antwerpen als eine Art Strassenprediger unterwegs. 2010 gründete er die Organisation Sharia 4 Belgium und entwickelte sich zu ­einer Art Guru in der Islamistenszene. Fouad Belkacem fiel zuerst durch Propaganda und Provokationen in den sozialen Medien auf. Dort kündigte er unter anderem an, in Belgien die Scharia einführen zu wollen, und rief nach dem Verbot des Vollschleiers zur Gewalt ­gegen die Polizei auf.

Drogenhändler und Terrorist

Das Urteil bestätigt vor allem, dass der ­Islamist Kopf des wichtigsten Rekrutierungsbüros für Syrienkämpfer war. Belgien ist das Land in Europa, aus dem proportional zur Bevölkerung am meisten der sogenannten Foreign Figthers im Nahen Osten stammen. Zwischen 300 und 400 Männer sollen aus dem Land Richtung Irak oder Syrien aufgebrochen sein. Sharia 4 Belgium spielte dabei eine Schlüsselrolle. Dass Belgien eine Drehscheibe der Islamisten ist, zeigte sich auch bei den jüngsten Anschlägen in Paris. Die Atten­täter hatten sich einen Teil ihres Kriegsgeräts in Belgien beschafft. Brüssel war zudem Schauplatz des ersten Anschlags eines Syrienrückkehrers, der im vergangenen Mai im jüdischen Museum vier Menschen tödlich verletzte.

Fouad Belkacem war der Einzige aus der Gruppe, der selber nicht in Syrien gekämpft hat. Er hatte sich ursprünglich als Verkäufer von Gebrauchtwagen versucht, war später im Drogenhandel involviert und wurde bereits 2012 wegen Aufruf zu Gewalt verurteilt.

Erstellt: 11.02.2015, 22:10 Uhr

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