Le Pen und das Gold in der Schweiz

Laut einem Investigativportal soll Jean-Marie Le Pen 2,2 Millionen Euro in der Schweiz vor dem französischen Fiskus verstecken. Der Vorwurf ist derzeit nicht Le Pens einziges Problem.

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Es ist, als habe sich die Welt gegen ihn verschworen: Erst brennt sein Haus in Rueil-Malmaison ab, dann bricht die eigene Tochter mit ihm und noch bevor er sich wegen seiner negationistischen Äusserungen vor dem Exekutivbüro des Front National verantworten konnte, musste Jean-Marie Le Pen «wegen eines kleinen Herzproblems» ins Krankenhaus eingeliefert werden.

Vom «Gesetz der schwarzen Serie» spricht Le Pen gern, aber die scheint für den Ehrenpräsidenten von Frankreichs rechtsextremer Partei im Augenblick nicht abreissen zu wollen: Jüngsten Enthüllungen des Investigationsportals Mediapart zufolge, soll Le Pen insgesamt 2,2 Millionen Euro in der Schweiz vor dem französischen Fiskus versteckt haben, davon angeblich 1,7 Millionen Euro in Form von Goldbarren und Goldmünzen.

Das «zweite Gehirn»

Mediapart schreibt, das Geld sei über einen Trust auf den britischen Virgin Islands angelegt worden und erst im Mai 2014 von der Schweizer Bank HSBC auf die CBH übertragen worden und nunmehr auf den Bahamas angesiedelt sein. Anspruchsberechtigter sei Jean-Marie Le Pen, verwaltet worden sei der Trust allerdings von Gérald Gérin, einem Vertrauten Le Pens, der ebenfalls Schatzmeister der Cotelec und Promelec ist, zwei Vereinen, die Imagekampagnen und Parteiförderung des FN finanzieren und denen Jean-Marie und seine Tochter Marine vorstehen.

Es sei die Geldwäschebehörde Tracfin, die entsprechende Informationen dem Gericht von Nanterre übergeben habe, schreibt Mediapart. Dasselbe Gericht hat bereits Ende 2013 ein Ermittlungsverfahren zu Jean-Marie Le Pens Privatvermögen eingeleitet, weil die französische Kommission für finanzielle Transparenz des politischen Lebens ungewöhnliche Vermögenszuwächse zwischen den Jahren 2004 und 2009 festgestellt hatte.

Gérin, laut Führungsorganigramm des FN Assistent von Le Pen und in einem Anbau in dessen Haus in Rueil-Malmaison wohnhaft, bezeichnet sich gern als dessen «Butler». Tatsächlich hat er eine Ausbildung einer Hotelfachschule gemacht und war eine Zeitlang Barkeeper im Hotel Carlton in Nizza. Vor gut 20 Jahren ist er schliesslich Majordomus von Le Pen geworden. Er sei sein «zweites Hirn» und erledige «viele tägliche Aufgaben, allerdings nicht den Haushalt», so hat ihn das Magazin «L’Express» vor einigen Jahren in einem Porträt zitiert.

Mehrere Affären um den FN

Der Ehrenpräsident des FN hat sich bislang nicht zu den Anschuldigungen geäussert, bezeichnet das Investigationsteam des Onlineportals aber gern als die «KGBisten von Mediapart», die nur «Rauchgranaten» abwürfen, um ihn zu schaden.

Dieses Verfahren ist das vorerst letzte Glied einer langen Kette von Finanzaffären, die den FN derzeit belasten. Gegen sechs Personen aus dem nahen Umkreis von Marine Le Pen laufen Untersuchungsverfahren wegen Betrugs. Ausserdem wird derzeit gegen 20 Assistenten der 23 Euroapaabgeordneten des FN ermittelt. Es wird vermutet, dass sie mit europäischen Geldern bezahlt wurden, in Wirklichkeit aber für die Parteizentrale in Nanterre gearbeitet haben, in deren Führungsorganigramm sie auftauchen. Es geht dabei um 1,5 Millionen Euro jährlich. Ausserdem haben die sozialistischen Abgeordneten der Nationalversammlung eine Untersuchungskommission gefordert, die nachprüfen soll, inwiefern ein russischer Kredit, den der FN vergangenes Jahr erhalten hat, ein Dankeschön für die Unterstützung Vladimir Putins sein könnte.

Aber weder Herzprobleme noch Affären, ja nicht einmal das Zerwürfnis mit seiner Tochter werden den 86-Jährigen Jean-Marie Le Pen davon abhalten, bei der traditionellen Parade zu Ehren Jeanne d’Arcs am ersten Mai teilzunehmen. Allerdings wird er wohl keine Rede halten. Sicher ist sicher. Drei Tage später muss er sich schliesslich vor dem Exekutivbüro der Partei verantworten, dessen Ehrenvorsitzender er immer noch ist, weil er in einem jüngsten Interview mit dem extremistischen Magazin Rivarol die Gaskammern mal wieder als «ein Detail der Geschichte» bezeichnet hatte. Ein Rausschmiss ist möglich, aber eher unwahrscheinlich. Es sei denn, es gilt - für den alten Le Pen - das Gesetz der schwarzen Serie.

Erstellt: 27.04.2015, 20:27 Uhr

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