Letta beflügelt die Wallstreet

Das Kabinett des neuen italienischen Premiers Enrico Letta gewinnt die Vertrauensabstimmung mit einer klaren Mehrheit. An der Wallstreet glaubt man, dass nun endlich eine Blockade durchbrochen sei.

«Wenn wir nicht zusammenhalten, sind wir alle verloren»: Bersani gratuliert Letta nach dessen Rede. (29. April 2013)

«Wenn wir nicht zusammenhalten, sind wir alle verloren»: Bersani gratuliert Letta nach dessen Rede. (29. April 2013) Bild: Keystone

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Das Parlament in Rom hat der neuen italienischen Regierung um Ministerpräsident Enrico Letta das Vertrauen ausgesprochen. Eine deutliche Mehrheit der Abgeordneten stimmten am Abend für das Kabinett des Sozialdemokraten. Letta hatte zuvor in seiner ersten Regierungserklärung die bisherige Sparpolitik in Italien kritisiert. Für den 46-Jährigen und sein 21-köpfiges Kabinett stimmten am Abend 453 Mitglieder des Abgeordnetenhauses. 153 votierten dagegen, wie Kammerpräsidentin Laura Boldrini mitteilte. Lettas Kabinett wird von einer breiten Koalition getragen.

In seiner Regierungserklärung beklagte Letta, Italien leide unter der einseitigen Ausrichtung der Wirtschaftspolitik auf das Sparen. Eine Politik «mit der Ausrichtung auf den Aufschwung» könne «nicht länger warten». Seine Regierung werde es sich «fortwährend» zur Aufgabe machen, den «Steuerdruck zu verringern», ohne neue Schulden zu machen, kündigte Letta an. Als eine wichtige Aufgabe nannte er auch den Kampf gegen die Arbeitslosigkeit und gegen den « Albtraum der Verarmung».

Seine Arbeit werde den «Erfolg» zum obersten Massstab haben, sagte Letta. «In 18 Monaten werde ich überprüfen, ob die Reformen gelungen sind» - wenn dies nicht der Fall sei, werde er «die Konsequenzen ziehen».

Die Europäische Union befindet sich nach Lettas Worten in einer «Legitimitätskrise». Die EU müsse Anstrengungen unternehmen, um zu einem «Motor nachhaltigen Wachstums zu werden», sagte er.

Bereits am Dienstagnachmittag wird Letta zu einem ersten Meinungsaustausch mit der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel im Berliner Kanzleramt erwartet. Der neue Regierungschef kündigte an, dass er umgehend auch nach Brüssel und nach Paris reisen wolle. Seine Regierung fahre einen pro-europäischen Kurs, der auf eine stärkere europäische Integration hinauslaufen solle.

Das gibt Hoffnung

Die Regierungsbildung in Italien hat auch die New Yorker Börsen beflügelt. Die Wallstreet folgte den europäischen Börsen nach oben.

Die Blockade in Italien ist endlich durchbrochen worden und das gibt Hoffnung», sagte Peter Cardillo, Chef-Marktstratege bei Rockwell Global Capital. Dadurch steige die Risikofreude der Investoren.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 0,7 Prozent fester mit 14'818 Punkten. Im Verlauf bewegte sich das Marktbarometer zwischen 14'712 und 14'844 Punkten. Auch der breiter gefasste S&P-500 gewann 0,7 Prozent auf 1593 Zähler.

Gute Konjunkturdaten

Der Index der Technologiebörse Nasdaq kletterte 0,9 Prozent auf 3307 Punkte. In Frankfurt schloss der DAX mit einem Plus von 0,8 Prozent auf 7873 Punkten. Der italienische Leitindex stieg 2,2 Prozent.

Neben der lange erwarteten Regierungsbildung in Italien - seit der Wahl im Februar herrschte ein Patt in der drittgrössten Volkswirtschaft der Euro-Zone - setzen die Anleger darauf, dass die Zentralbanken in dieser Woche den Märkten einen Schub geben.

Zugute kamen den US-Börsen auch Konjunkturdaten. Die US-Amerikaner bleiben in Kauflaune. Ihre Konsumausgaben stiegen im März überraschend um 0,2 Prozent. Von Reuters befragte Ökonomen hatten mit Stagnation gerechnet, nachdem es im Februar ein Plus von 0,7 Prozent gegeben hatte.

Auch der Schweizer Aktienmarkt hatte zuvor fester geschlossen. Das Blue-Chip-Barometer SMI bewegte sich während der Handelszeit ausschliesslich in der Gewinnzone. Er schloss 0,6 Prozent fester auf 7'901,73 Punkten. Der breite Swiss Performance Index (SPI) stieg um 0,7 Prozent auf 7'417,43 Zähler. (rbi/kle/sda)

Erstellt: 29.04.2013, 18:08 Uhr

Italiens Regierungschef Letta gewinnt Vertrauensabstimmung. (Video: Reuters )

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Die italienische Regierung

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