«Mein Bild der Kavallerie mag undiplomatisch gewesen sein»

Der Kanzlerkandidat der deutschen Sozialdemokraten war bisher auf Twitter nicht präsent. Nun hat Peer Steinbrück einen Account eingerichtet und eine Stunde lang Fragen beantwortet – darunter eine zur Schweiz.


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«Hallo zusammen!» beginnt Peer Streinbrücks allererster Tweet, den er eben abgesendet hat. Die Plattform Twitter hält somit nun auch in den deutschen Kanzlerwahlkampf Einzug. Der ehemalige deutsche Finanzminister will für die deutschen Sozialdemokraten das Kanzleramt zurückerobern. Am Sonntag wurde er mit grosser Mehrheit zum Herausforderer von Bundeskanzlerin Angela Merkel gewählt.

Steinbrück war bisher kein Mann der Sozialen Medien, elektronische Medien waren ihm offenbar eher zuwider. Nun hat er sich – ob aus Eigeninitiative oder auf Drängen seiner Kommunikationsstragen ist nicht bekannt – einen Twitter-Account eingerichtet.

«Lasst uns über Politik reden»

Zum Start seiner Twitter-Karriere gibt Steinbrück ein sogenanntes Twitterview. Nutzer des Portals können Steinbrück eine Stunde lang Fragen stellen, dieser antwortet.

«Lasst uns über Politik reden», twittert Steinbrück zu Beginn. Die erste Frage folgt sogleich: «Wo sehen Sie echte, glaubwürdige Unterschiede zwischen Frau Merkels Politik und Ihrer?», fragt Twitterer Textheld. «Frau Merkel geht es um blossen Machterhalt, der SPD und mir geht es um gesellschaftlichen Zusammenhalt», antwortet Steinbrück.

Überhaupt nutzt Steinbrück diverse Möglichkeiten, Angela Merkels Politik zu kritisieren: «Die Energiewende wird durch die Bundesregierung grottenschlecht gemanaged», schreibt Peer.

Steinbrück tippt nicht selber

«Schreibt Peer» ist allerdings nicht ganz korrekt, wie schlaue Twitterer rasch herausfinden: Steinbrück muss einräumen, dass er liest, und sein Nachbar tippt. «Der ist einfach schneller.»

Würde es unter Steinbrück eine Frauenquote geben? Klare Antwort: «Ja!»

Steinbrück lässt sich auch auf weniger ernsthafte Fragesteller ein: Die Frage «Hallo @peersteinbrueck, wo bleibt mein Bier?» pariert er mit: «Ist das eine konkrete Frage oder ihre Art von Humor?»

Was würde Steinbrück gegen die Einkommensschere tun? Antwort: «Mindestlohn, Einschränkung Leiharbeit und Minijobs, gleiche Bezahlung Frauen und Männer, Steuererhöhungen in den oberen Etagen.»

Auch nach seiner ersten Amtshandlung wird Steinbrück gefragt. «Ein flächendeckender, gesetzlicher Mindestlohn und die Abschaffung des absurden Betreuungsgeldes», gibt Steinbrück zur Antwort.

Die Frage zur Schweiz

Als Schweizer durfte man gespannt sein, ob das Schweizer Bankgeheimnis auch ein Thema im Twitterview wurde. In der Tat fragte ein Nutzer: «Herr Steinbrueck wie stehen sie zum Schweizer Bankgeheimnis?» Steinbrück machte sich zwar nicht die Mühe, seinen bereits bekannten Standpunkt zu erklären, sagte jedoch: «Das ist faktisch insbesondere durch den Druck der USA längst gefallen – juristisch noch nicht.»

Auch die Kavallerie hat noch ihren Auftritt: «Mein Bild der Kavallerie mag undiplomatisch gewesen sein. Aber es hat gesessen und die Bekämpfung von Steuerbetrug beflügelt», schreibt Steinbrück in einem sachlichen Ton.

Auch mal ein «Vielleicht»

Steinbrück erlaubt sich sogar zwischendurch, auch mal nicht gleich ein Ja oder ein Nein als Antwort bereit zu haben. «Braucht Südeuropa ein Konjunkturprogramm gegen die Massenarbeitslosigkeit?», fragt ein Twitterer bei einem Wortwechsel zum Thema Vollbeschäftigung. Steinbrück: «Ja, vielleicht eine Art Marshallplan, der v.A. die Jugendarbeitslosigkeit eindämmt.»

Zum Schluss musste sich Steinbrück noch rechtfertigen, wieso er überhaupt twittert, wo er doch «noch vor kurzem felsenfest behauptet» habe, er würde «nie im Leben twittern, das wäre Anbiederung?». Steinbrück gibt als Grund die vielen Fragen an, die ihn erreichen würden, und fügt an, er werde nun nicht ständig twittern, also nicht «sitze im Einstein mit Einstein ...». (mw)

Erstellt: 12.12.2012, 10:12 Uhr

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