Mit einem verseuchten Handschuh das Gesicht berührt

Wie konnte sich die spanische Pflegerin trotz Schutzkleidung mit Ebola anstecken? Ihr Krankenhaus hat eine Spur. Die USA greifen derweil zu einer drastischen Massnahme.

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Die mit dem Ebola-Virus infizierte spanische Pflegerin könnte sich nach Recherchen ihres Krankenhauses durch ein Versehen bei einem Ebola-Patienten angesteckt haben. Teresa Romero habe beim Ablegen ihrer Schutzkleidung ihr Gesicht unbeabsichtigt mit einem womöglich infizierten Arbeitshandschuh berührt, sagte ihr behandelnder Arzt German Ramírez am Mittwoch in Madrid. Das habe sie selbst eingeräumt. «Es ist möglich, dass es nicht ihr Fehler war, sondern einfach ein Versehen», sagte Ramírez. Deshalb habe sich Romero auch nicht sofort daran erinnert, als sie krank wurde.

Romero ist die erste Frau, die sich in Europa mit dem Virus infiziert hat. Sie arbeitete in der Madrider Klinik Carlos III., in der im August und September zwei spanische Missionare nach ihrer Rückkehr aus Westafrika an Ebola gestorben waren. Die 44-Jährige ging erst am 5. Oktober zum Arzt, obwohl sie sich da schon seit sechs Tagen krank fühlte. Inzwischen wurden fünf Menschen aus dem Umfeld von Romero wegen einer möglichen Ansteckung mit dem Virus unter Quarantäne gestellt. Rund 50 Personen stehen insgesamt unter Beobachtung.

Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy wies Kritik am Gesundheitssystem des Landes zurück. «Das spanische Gesundheitswesen ist eines der besten der Welt», sagte der Regierungschef im Parlament. «Wir sollten die Mediziner ihre Arbeit tun lassen. Wir werden diese Situation überwinden.»

Ausbreitung in Europa «sehr unwahrscheinlich»

Die EU-Kommission kündigte unterdessen an, Pflegepersonal und Reisende umfassender über das Virus informieren zu wollen. Die Informationsoffensive sei das Ergebnis einer Sitzung des EU-Komitees für Gesundheitssicherheit, das am Mittwoch zusammengetreten sei, teilte die EU-Kommission mit. So solle sichergestellt werden, «dass Reisende und Gesundheitspersonal mögliche Ebola-Fälle schnellstmöglich erkennen».

Mit Blick auf die Vielzahl an europäischen Helfern, die in das westafrikanische Ebola-Gebiet reisen, erwartet die EU-Kommission weitere Ebola-Kranke zur Behandlung in Europa. Dennoch sei eine Ebola-Ausbreitung in den EU-Staaten «sehr unwahrscheinlich», sagte der Kommissionssprecher für Gesundheit, Frédéric Vincent. Die sanitäre und medizinische Lage in Europa lasse sich mit der in Afrika nicht vergleichen.

US-Patient gestorben

In den USA greifen die Behörden inzwischen zu drastischen Massnahmen: An US-Flughäfen sollen alle einreisenden Passagiere auf Anzeichen von Ebola kontrolliert werden. Dies ordnete das US-Heimatschutzministerium am Mittwoch an. Grenzbeamte sollen zudem Informationsmaterial an Reisende ausgeben, auf welche Symptome zu achten ist.

Allerdings blieb zunächst offen, wie die Suche nach Ebola-Fällen an den Flughäfen und anderen Grenzübergängen genau vonstatten gehen soll. Die Beamten sollten Ausschau nach «allgemeinen Zeichen von Erkrankungen» bei Passagieren halten, sagte der stellvertretende Heimatschutzminister Alejandro Mayorkas bei einer Konferenz zur Sicherheit an Flughäfen in der Nähe von Washington.

Später erfuhr die Nachrichtenagentur AP von einem US-Bundesbeamten, dass sich Reisende aus Westafrika künftig bei der Ankunft in den USA Fieber messen lassen müssen. Die Aktion beginnt demnach am Samstag am New Yorker John-F.-Kennedy-Flughafen. Nächste Woche sollen die Flughäfen Newark, Washington-Dulles, Chicago und Atlanta folgen.

Zudem wurde bekannt, dass der erste Patient, bei dem in den USA Ebola diagnostiziert wurde, gestorben ist. Thomas Eric Duncan sei am Mittwochmorgen um 07.51 Uhr (Ortszeit, 14.51 Uhr MESZ) verstorben, teilte das Krankenhaus Texas Health Presbyterian in Dallas mit. Duncan hatte sich in seinem Heimatland mit Ebola infiziert, das tödliche Virus wurde aber erst nach seiner Einreise in die USA diagnostiziert. (ldc/AFP/sda)

Erstellt: 08.10.2014, 17:29 Uhr

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