Murdoch will in London aussagen– FBI startet Ermittlungen

Der Medienmogul will vor dem britischen Parlamentsausschuss zum Abhörskandal bei der «News of the World» Stellung nehmen. Die Affäre ist inzwischen in den USA angekommen.

Im Scheinwerferlicht: James (links) und Rupert Murdoch in London.

Im Scheinwerferlicht: James (links) und Rupert Murdoch in London. Bild: Keystone

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Der Medienunternehmer Rupert Murdoch und sein Sohn James haben sich nach einer brüsken Absage überraschend bereit erklärt, zum Abhörskandal bei der «News of the World» vor einem Untersuchungsausschuss des britischen Parlaments auszusagen. Beide seien dabei, ihre Teilnahme an dem Termin am Dienstag zu bestätigen, teilte News Corp. mit. Die Polizei nahm unterdessen den früheren stellvertretenden Chefredakteur der inzwischen eingestellten Boulevardzeitung, Neil Wallis, fest.

Murdoch und sein Sohn hätten die Absicht, vor dem Parlamentsausschuss zu erscheinen, sagte News Corp.-Sprecherin Miranda Higham. Wenige Stunden zuvor hatte der Medienmogul eine Aussage noch abgelehnt. Der Parlamentsausschuss für Kultur, Medien und Sport hatte ihn aufgefordert, gemeinsam mit seinem Sohn und Rebekah Brooks, der Chefin von News International, in der kommenden Woche vor den Abgeordneten zu erscheinen.

Auch die US-Bundespolizei FBI hat inzwischen Ermittlungen gegen den Konzern des Medienmoguls Rupert Murdoch in New York eingeleitet. Informierte Kreise erklärten, dass Vorwürfen nachgegangen werde, wonach Journalisten der News Corp. versucht hätten, die Telefone von Opfern der Attentate vom 11. September 2001 anzuzapfen. Erst am Wochenende hatte Murdoch das britische Boulevardblatt «News of the World» wegen eines Abhörskandals eingestellt, ausserdem gab er seine Übernahmepläne für den britischen Fernsehsender BSkyB auf. Auch der ehemalige britische Premierminister Gordon Brown soll zu den Opfern der Übergriffe gehören.

Siebte Festnahme bekanntgegeben

Der britische Vizepremierminister Nick Clegg erklärte, es gebe grosse Fragen, die Murdoch beantworten müsse. «Wenn sie auch nur einen Funken Verantwortungsgefühl für ihre Machtposition haben, dann sollten sie kommen und sich erklären», sagte Clegg der BBC. Brooks erklärte sich nach Angaben britischer Abgeordneter ebenfalls zur Aussage vor dem Ausschuss bereit.

Scotland Yard meldete im Zuge der Ermittlungen zum Abhörskandal bei der «News of the World» eine siebte Festnahme. Ein 60-jähriger Mann sei am Donnerstagmorgen in seiner Wohnung festgenommen worden, erklärte die Londoner Polizei. Grund sei die Vermutung, er sei an Abhöraktionen beteiligt gewesen. Bei dem Verdächtigen handelte es sich um Wallis, der von 2003 bis 2007 Stellvertreter unter Chefredakteur Andy Coulson war. Coulson wurde bereits am vergangenen Freitag festgenommen.

«Das geht über News International hinaus»

Premierminister David Cameron hat einen Ermittlungsrichter eingesetzt, der nicht nur den Skandal aufklären, sondern sich auch mit der Kontrolle der Medien befassen soll, mit den Beziehungen zwischen Politik und Presse und der Möglichkeit, dass illegale Praktiken weiter verbreitet sind als bisher bekannt. «Das geht eindeutig über News International hinaus», sagte Clegg. «Das ist eindeutig etwas Systemisches.»

«News of the World» gehörte zum Konzern News International, der britischen Tochterfirma von News Corp., dem Medienimperium Murdochs. Wegen des Abhörskandals hat Murdoch die 168 Jahre alte Zeitung eingestellt und am Mittwoch auf die Übernahme des britischen Fernsehsenders BSkyB verzichtet.

(jak/dapd)

Erstellt: 14.07.2011, 23:02 Uhr

Murdoch verteidigt Vorgehen

Der Medienunternehmer Rupert Murdoch hat das Vorgehen seines Unternehmens News Corp im Abhörskandal um das britische Boulevardblatt «News of the World» verteidigt. Der Konzern werde sich von allen negativen Auswirkungen der Vorwürfe erholen, sagte der 80-Jährige dem «Wall Street Journal», das ebenfalls News Corp gehört. Berichte, er werde wegen des Skandals alle seine britischen Zeitungen verkaufen, wies Murdoch ebenso zurück wie Kritik daran, wie er und sein Sohn James auf die Krise reagierten. Der Medienmogul und sein Sohn hatten sich zuvor auf Druck des britischen Parlaments zur Aussage vor einem Untersuchungsausschuss bereit erklärt. (dapd)

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