Niederlande: Wilders flirtet bereits mit Le Pen

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Geert Wilders wurde schon oft abgeschrieben. Doch der niederländische Rechtspopulist mit der wasserstoffblondierten Mähne hat sich immer wieder aufgerappelt. So hat dem 50-Jährigen zuletzt laut Umfragen ein offener Aufruf zum Rauswurf von Marokkanern nur vorübergehend geschadet.

Wilders hat mit seiner Freiheitlichen Partei (PVV) gute Chancen, bei den Europawahlen als stärkste Kraft ans Ziel zu kommen. Zu seinem Programm gehört, dass er in den Niederlanden den Koran verbieten will, den er auch schon mit Hitlers «Mein Kampf» verglichen hat. Wegen Todesdrohungen kann er sich nur noch mit Leibwächtern bewegen.

«Herren über eigene Grenzen»

Wilders warnt vor der «Masseneinwanderung und Islamisierung». Anders als noch bei früheren Wahlkämpfen gibt er sich diesmal aber nicht nur islamfeindlich, sondern auch dezidiert antieuropäisch. Wilders will, dass die Niederländer wieder «Herren über ihr eigenes Geld» und «Herren über ihre eigenen Grenzen» werden. Deshalb propagiert er den Austritt aus dem Euroraum und aus der EU. Vorsorglich hat er jedem Haushalt bereits 10'000 Euro zusätzlich in Aussicht gestellt.

Allerdings ist Wilders mit seiner PVV in der zersplitterten Parteienlandschaft der Niederlande nur eine besonders laute Stimme. Die Mehrheit der Parteien ist gemässigt bis dezidiert proeuropäisch eingestellt. Indem er zuletzt Ressentiments gegen marokkanische Zuwanderer schürte, hat er sich national isoliert. Einzelne Abgeordnete und Mitarbeiter haben ihm den Rücken zugekehrt. Da er niemandem ausser sich selber traut, ist er aber bis heute ohnehin einziges Mitglied seiner Freiheitspartei.

Gefährdet hat er mit dem Ausfall gegen Marokkaner vor allem seinen Plan einer europäischen Allianz der Nationalisten. Gemeinsam mit der Französin Marine Le Pen hatte er bereits an einer politischen Hochzeit geschmiedet. Potenzielle Partner wie der Brite Nigel Farage könnten die islamfeindlichen Positionen aber abschrecken. Für eine Fraktion im EU-Parlament mit Redezeit, Einfluss und Aussicht auf Finanzmittel braucht es 25 Abgeordnete aus mindestens 7 Mitgliedsstaaten. (sti)

Erstellt: 12.05.2014, 22:15 Uhr

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