«No pasarán» – Katalanen erneuern alten Schlachtruf

«Sie werden nicht durchkommen»: Der Konflikt zwischen Madrid und Barcelona erinnert an den spanischen Bürgerkrieg.

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Der Streit um die Abspaltung Kataloniens ist tief verwurzelt in einem historischen Konflikt zwischen der Region und der spanischen Zentralmacht: Mit der Losung «no pasarán» («Sie werden nicht durchkommen») griffen die Demonstranten in Barcelona dieser Tage einen Schlachtruf der antifaschistischen Bewegung gegen den spanischen Militärdiktator Francisco Franco auf. Franco schaffte nach seinem Sieg im Spanischen Bürgerkrieg 1939 die Regierung Kataloniens, die Generalität, ab – tausende Katalanen mussten ins französische Exil fliehen.

«Das Exil-Trauma von 1939 ist bis heute sehr präsent», sagt Joan Baptista Culla, Historiker an der Autonomen Universität Barcelona. Der aktuelle zivile Ungehorsam und die Besetzung von Wahlbüros in Barcelona weckt ebenfalls Erinnerungen an die Zeiten Mitte der 30er Jahre, als die Stadt als anarchistische Hochburg galt. In der sich rasch entwickelnden Industriestadt lebten vor allem Intellektuelle und Arbeiter – sie boten General Franco während des dreijährigen Bürgerkriegs bis zum Ende die Stirn.

An die Nazis verraten

Schon 1934 hatte der Präsident der Generalität, Lluís Companys, den «katalanischen Staat in der föderalen spanischen Republik» ausgerufen und sich damit den konservativen Kräften in Madrid entgegengestellt. Der Katalanen-Führer wurde wenig später festgenommen, doch Fotos von ihm in seiner Zelle fanden in Katalonien rasch Verbreitung.

Als Companys 1940 im französischen Exil an die Nazis verraten und in Spanien hingerichtet wurde, wurde er endgültig zur Symbolfigur im katalanischen Unabhängigkeitskampf. «Er ist das grundlegende Abbild des märtyrerischen Präsidenten», sagt Historiker Culla.

«Wirtschaftlich fortgeschritten»

Vor diesem Hintergrund hat die Regierung in Madrid nach Auffassung von Geschichtswissenschaftler Jordi Canal von der Pariser Hochschule für Sozialwissenschaften versucht, solche Bilder im aktuellen Konflikt «zu vermeiden». Dennoch empörte die Festnahme hochrangiger Regierungsmitarbeiter dieser Tage in Barcelona zahllose Katalanen, der Vorwurf des «repressiven» Zentralstaats machte erneut die Runde.

Von 1939 bis 1975 gestand der Zentralstaat unter Franco den Katalanen keinerlei Autonomie zu, auch ihre Sprache war verboten. Dabei sahen sich die stolzen Katalanen schon Jahrhunderte zuvor «als wirtschaftlich fortgeschritten und kulturell gebildet und die Spanier als rückständige Analphabeten», sagt Andrew Dowling, Katalonien-Experte an der britischen Universität Cardiff.

Eroberung Barcelonas

Ein Schlüsseldatum im historischen Konflikt zwischen Madrid und Katalonien ist der 11. September 1714. Damals eroberten Truppen des spanischen Königs Philip V. Barcelona. Die Region verlor damit ihre eigenen Gesetze und Verfassungsorgane. Seit 2012 erinnern die Katalanen jedes Jahr am 11. September an dieses Ereignis mit ihrem «Nationalfeiertag» Diada - zu diesem Anlass fanden bislang auch immer grosse Demonstrationen der Separatisten statt.

Nach dem Ende der Franco-Herrschaft im Jahr 1975 hatte die spanische Regierung 1977 den katalanischen Provinzen zwar wieder eine begrenzte Autonomie eingeräumt. Doch erweiterte Autonomierechte wurden ihnen verwehrt, auch durch ein Urteil des spanischen Verfassungsgerichts 2010. Seither erstarkte die Unabhängigkeitsbewegung in Barcelona, die Ursachen sind umstritten. Nach Auffassung des Historikers Culla ist ein wichtiger Grund, dass Barcelona und Madrid seit Jahren aneinander vorbeigeredet haben. (oli/AFP)

Erstellt: 30.09.2017, 17:28 Uhr

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