Papabili – wer wird der neue Papst?

Für die Nachfolge von Papst Benedikt XVI. kursieren bereits erste Namen. Diese Kardinäle stammen aus Italien, Amerika und Afrika. Erstmals könnte ein Nichteuropäer Oberhaupt der katholischen Kirche werden.

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Vor seiner Wahl zum Papst hatte Kardinal Joseph Ratzinger in einem TV-Interview gesagt, dass die Zeit reif sei für einen Papst aus Afrika. Das Konklave entschied sich aber anders: Es machte im April 2005 den aus Deutschland stammenden Präfekten der Glaubenskongregation zum Nachfolger von Johannes Paul II. (Karol Wojtyla). Auf der Liste der Papabili figurierten damals auch Kardinäle aus Afrika, allen voran der Nigerianer Francis Arinze.

Fast acht Jahre später wird der Kardinal aus Nigeria wieder als Kandidat für das höchste Amt der katholischen Kirche ins Spiel gebracht. Gemäss Medienberichten und den Quoten von britischen Buchmachern hat Arinze durchaus Chancen, als erster Afrikaner Papst zu werden. Bessere Chancen werden einem anderen Afrikaner eingeräumt: Peter Turkson, Kardinal aus Ghana. Mit 64 Jahren ist Turkson für Vatikanverhältnisse sehr jung. Dagegen ist Arinze bereits 80 Jahre alt, also zwei Jahre älter als Kardinal Ratzinger bei seiner Papstwahl. Turkson gilt als aussichtsreichster Kandidat aus Afrika. Als Leiter des vatikanischen Büros für Frieden und Gerechtigkeit ist er das soziale Gewissen der Kirche und plädiert für eine globale Finanzreform.

Leonardo Sandri, Marc Ouellet und Angelo Scola

Neben den Afrikanern hoffen auch die Nord- und Südamerikaner, dass sie endlich den Papst stellen können. Und sie haben hochrangige geistliche Würdenträger, denen das Amt des Papstes zugetraut wird. Experten und Medien nennen vor allem zwei Kardinäle: Marc Ouellet (68) aus Kanada sowie Leonardo Sandri (69) aus Argentinien. Ouellet ist als Leiter der Bischofskongregation so etwas wie der Personalchef im Vatikan. Er sagte einmal, Papst zu werden, «wäre ein Albtraum».

Sandri kam als Kind italienischer Eltern in Buenos Aires zur Welt und ist damit ein echter transatlantischer Brückenbauer. Von 2000 bis 2007 hatte er den dritthöchsten Posten der Kirche als Stabschef des Vatikan inne. Vor allem Lateinamerika drängt darauf, zu Papstehren zu kommen, zumal die Lateinamerikaner etwa die Hälfte aller Katholiken auf der Welt ausmachen.

Posten als Erzbischof von Mailand gilt als Sprungbrett für Papstamt

Gemäss vatikannahen Quellen gilt allerdings ein Italiener als Topfavorit: Angelo Scola, Erzbischof von Mailand und Ex-Patriarch von Venedig. Der 71-jährige Scola hatte schon bei der Ratzinger-Wahl vor acht Jahren als Papabile gegolten. Als Chef der Stiftung zur Förderung des Verständnisses zwischen Muslimen und Christen kennt Scola auch den Islam. Er ist allerdings nicht sonderlich beredt, was ihm schaden dürfte, falls die Kardinäle einen Charismatiker an der Spitze der Kirche sehen wollen.

Ein weiterer Italiener, der als neuer Papst ins Spiel gebracht wird, ist Angelo Bagnasco. Der 70-Jährige amtet als Erzbischof von Genua und als Vorsitzender der italienischen Bischofskonferenz. Die Kirche Italiens will unbedingt, dass der nächste Papst ein Italiener ist. Seit dem letzten italienischen Papst, Johannes Paul I., sind rund 34 Jahre vergangen – eine zu lange Zeit aus der Sicht der Italiener.

Beim Tauziehen um die Nachfolge von Papst Benedikt XVI. wird nicht nur die Nationalität eine wichtige Rolle spielen, sondern auch der kirchenpolitische Kurs. Hinter den Kulissen des Vatikans tobt ein Kampf zwischen Moderaten und Traditionalisten, was sich zum Beispiel bei der Haltung zu den Pius-Brüdern zeigte.

Konservatives bis reaktionäres Wahlgremium

Beim Konklave, das das neue Kirchenoberhaupt bestimmen wird, ist der abtretende Papst Benedikt XVI. nicht mehr dabei. Trotzdem wird Ratzinger Einfluss auf den Wahlausgang haben – und damit auf die künftige ideologische Ausrichtung der katholischen Kirche. Denn er hatte in den letzten acht Jahren einen grossen Teil der heute wahlberechtigten Kardinäle – 118 von 209 – ernannt. Wie sein Vorgänger Johannes Paul II. erhob Benedikt XVI. praktisch nur noch konservative bis reaktionäre Bischöfe in den Kardinalsrang. Unter den wahlberechtigten Kardinälen gibt es kaum noch Reformer.

Das Konklave zur Wahl des neuen Papstes könnte nach Vatikanangaben 15 bis 20 Tage nach dem Rücktritt von Papst Benedikt XVI. am 28. Februar beginnen. «Bis Ostern sollten wir einen neuen Papst haben», sagte Vatikansprecher Federico Lombardi. Der Ostersonntag fällt in diesem Jahr auf den 31. März. Bei Buchmachern werden bereits Wetten über den Namen des künftigen Papstes abgeschlossen: Besonders gute Chancen haben offenbar Peter, Pius, Johannes Paul und – Benedikt.

Artikel mit Material der Nachrichtenagenturen AFP und SDA (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 11.02.2013, 17:12 Uhr

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