Papst verurteilt den Chef der Legionäre Christi

Die Missbrauchsvorwürfe gegen Marcial Maciel, den Gründer der Legionäre Christi, sind seit Jahrzehnten bekannt. Nun hat der Vatikan endlich gehandelt.

Im Jahr 2004 erhielt er von Papst Johannes Paul II. noch den Segen: Marcial Maciel.

Im Jahr 2004 erhielt er von Papst Johannes Paul II. noch den Segen: Marcial Maciel. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der Vatikan hat am Samstag eine umfassende Reform des Ordens der Legionäre Christi angekündigt. Damit zieht Papst Benedikt nach jahrzehntelangem vergeblichem Druck der Opfer die Konsequenz aus dem Missbrauchsskandal um den Ordensgründer Marcial Maciel Delgado (1920–2008). Ihm wird vorgeworfen, unzählige Seminaristen missbraucht und mit zwei Frauen drei Kinder gezeugt zu haben, von denen er zwei ebenfalls missbraucht haben soll.

Im Communiqué vom Samstag spricht der Vatikan vom «objektiv unmoralischen Verhalten» des aus Mexiko stammenden Ordensgründers, der zahlreiche Seminarien und Universitäten ins Leben gerufen hatte. Maciels Taten seien «Ausdruck eines skrupellosen Lebens ohne wahrhafte religiöse Empfindung». Der Vatikan betont jedoch, die Ordensmitglieder hätten von den Taten des Gründers nichts gewusst.

Hunderte Knaben missbraucht

Tatsächlich aber hatten zehn Opfer, die von Marcial Maciel in den 50er-Jahren im römischen Seminar missbraucht worden waren, den Vatikan schon vor 30 Jahren verständigt. Seit 1983 war auch Papst Johannes Paul II. über die Missbräuche informiert. Doch er schätzte den Ordensgründer und lobte noch 1994 öffentlich dessen «effiziente Führung für die Jugend». 1997 sagte die Gruppe der zehn Opfer vor den Medien, Maciel habe Hunderte Knaben missbraucht.

Ein Jahr später erhob die Gruppe Anklange gegen Maciel bei der Glaubenskongregation, die unter Kardinal Ratzinger für alle schwerwiegenden Missbrauchsfälle in der Kirche zuständig war. Ratzinger aber war nie bereit, die Gruppe der Opfer anzuhören und gegen Maciel etwas zu unternehmen. Worauf sich die Gruppe 2002 bei der UNO Gehör verschaffte und im Genfer Palais des Nations die Medien über die Untätigkeit der Glaubenskongregation informierte. Erst kurz vor Maciels Tod 2008 verordnete Papst Benedikt dem Gründer ein Leben in völliger Zurückgezogenheit. Im März 2009 ordnete der Vatikan eine Untersuchung des Ordens an.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 02.05.2010, 21:24 Uhr

Artikel zum Thema

Kindesmissbrauch: Bischof von Brügge tritt zurück

Papst Benedikt XVI. hat das erste Rücktrittsgesuch eines Bischofs angenommen, das offiziell mit selbst begangenem Kindesmissbrauch begründet wurde. Mehr...

Merkel: Sexueller Missbrauch ist nicht nur ein Problem der Kirche

Missbrauch sei ein gesamtgesellschaftliches Problem, sagt die deutsche Bundeskanzlerin. Sie lobt die jüngsten Massnahmen der katholischen Kirche gegen Missbrauch. Mehr...

Weiterbildung

Gamen in der Schule

Die Schule bereitet Kinder auf die Arbeitswelt vor. Das Rüstzeug soll auch spielerisch vermittelt werden.

Blogs

Sweet Home 15 Stylingideen für das Bad

Tingler Schöne Grüsse

Die Welt in Bildern

Es sammelt sich nur der Staub in ihnen: Frauen zerschmettern in Indien Töpfe aus Ton, um gegen den Mangel an Trinkwasser zu protestieren. (16. Mai 2019)
(Bild: Amit Dave) Mehr...