Papst will künftig ein Pilger sein

Historisches Finale eines Pontifikats: Der Papst flog mit dem Helikopter zur Sommerresidenz Castel Gandolfo. Im Vatikan hat die Zeit des leeren Stuhls begonnen.

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Mit dem Helikopter hat Papst Benedikt XVI. seine letzte Dienstreise angetreten. Auf Castel Gandolfo endet am Abend sein Pontifikat – für die katholische Kirche und eine Milliarde Katholiken weltweit ein historischer Einschnitt.

Nach acht Jahren an der Spitze der römisch-katholischen Kirche hat sich Papst Benedikt XVI. heute aus dem Vatikan verabschiedet. Nach einem letzten Treffen mit Kardinälen flog der 85-Jährige am späten Nachmittag mit dem Helikopter zur Sommerresidenz Castel Gandolfo ab, wo ihn bereits einige Hundert Schaulustige erwarteten.

Nicht Papst, sondern Pilger

Dort hat er sich zum letzten Mal als Kirchenoberhaupt an die Gläubigen. «Ich werde nicht länger Papst, sondern ein Pilger sein», sagte der Papst auf dem Balkon der Residenz, die rund 30 Kilometer von Rom entfernt liegt. Tausende von Gläubigen hatten sich in den Strassen der kleinen Stadt versammelt, um den Papst zu verabschieden.

Kurz vor seinem Abflug verschickte er noch einen letzten Tweet: «Danke für eure Liebe und Unterstützung. Ich wünsche, dass ihr immer Freude dabei erfahrt, Christus in die Mitte eures Lebens zu stellen.» Am Abend soll der Account zunächst stillgelegt werden, bis Benedikts Nachfolger entscheidet, ob auch er unter dem Namen «@Pontifex» weiter twittern will.

Benedikt nahm seinen Twitter-Kanal am 12. Dezember 2012 in Betrieb. Bis heute hat der Papst laut Twitter über 2,9 Millionen Follower. Während des Konklaves sind aus der Sixtinischen Kapelle übrigens keinerlei Tweets zu erwarten. Papst-Sprecher Federico Lombardi betonte, dass die Kardinäle dort keinen Zugang zum Internet hätten.

«Ehrerbietung und Gehorsam»

Um 20 Uhr wird sein am 11. Februar verkündeter Rückzug vom Heiligen Stuhl wirksam. Mit dem offiziellen Ende des Pontifikats wird die Schweizer Garde ihren Dienst für Benedikt einstellen. Es wird erwartet, dass die Kardinäle am Montag über ein Datum für den Beginn des Konklaves beraten.

Benedikt ist der erste Papst seit Jahrhunderten, der auf sein Amt verzichtet. Für die katholische Kirche gilt dies als historischer Schritt - und womöglich auch als wegweisend für künftige Päpste. In wenigen Tagen sollen die Kardinäle im Konklave das neue Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche und ihrer weltweit rund eine Milliarde Mitglieder bestimmen. Es wird erwartet, dass die Kardinäle am Montag beschliessen, wann das Konklave beginnt.

Bei seinem letzten Treffen mit Kardinälen sagte der scheidende Papst seinem Nachfolger «bedingungslose Ehrerbietung und Gehorsam» zu. Damit versuchte Benedikt offenbar, Befürchtungen eines drohenden Konflikts zu zerstreuen, wenn im Vatikan ein amtierender und ein emeritierter Papst leben.

Beten für die Kardinäle

Er sagte auch, er werde für die Kardinäle beten, wenn sie über seinen Nachfolger entscheiden. Zudem rief er die Würdenträger zur Zusammenarbeit auf. Das Kardinalskollegium solle zu einer Art Orchester werden, wo »Übereinkunft und Harmonie» vorherrschen. «Unter euch ist auch der künftige Papst», sagte Benedikt in der unerwarteten Ansprache in der Sala Clementina des Apostolischen Palastes.

Am Mittwoch hatte er sich bereits in einer Generalaudienz von den Gläubigen verabschiedet. Rund 150'000 Menschen versammelten sich dazu auf dem Petersplatz.

Benedikt hat angekündigt, zunächst einige Wochen in Castel Gandolfo südlich von Rom zu bleiben. Danach will er seinen Lebensabend als Papst emeritus zurückgezogen im Vatikan verbringen. Mit seinem Ausscheiden aus dem Amt endet auch der Dienst der Schweizer Garde für ihn, denn sie steht nur dem Papst zur Verfügung.

Personalausdünnung und Interimsleitung

In der Zeit der Sedisvakanz gelten im Vatikan besondere Regeln: Mit dem Beginn der Sedisvakanz scheiden fast alle Leiter der vatikanischen Behörden aus ihren Ämtern, auch Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone, der zweite Mann im Kirchenstaat nach dem Papst. Im Amt bleibt etwa der Camerlengo, der über die Finanzen der Kirche wacht - derzeit ebenfalls der Italiener Bertone. Auch sein Stellvertreter, viele hohe Verwaltungs- und Justizvertreter sowie die Kirchendiplomaten in aller Welt behalten ihre Posten.

Offiziell wird die Kirche während der Sedisvakanz vom Kardinalskollegium, also letztlich allen 208 derzeit lebenden Kardinälen, geleitet. Viel zu sagen haben sie allerdings nicht. Lediglich allgemeine Aufgaben und Entscheidungen, die keinen Aufschub dulden, dürfen sie anpacken. Von Päpsten erlassene Gesetze dürfen nicht korrigiert oder abgeändert werden. Dies gilt auch für das Regularium zur Papstwahl, die das Kardinalskollegium vorzubereiten hat.

Den Kern der Kirchenleitung in der Übergangszeit bildet eine sogenannte Sonderkongregation aus dem Camerlengo und drei weiteren Kardinälen, die per Los bestimmt werden und alle drei Tage wechseln. Sie setzt auch fest, wann erstmals das gesamte Kardinalskollegium zur Generalkongregation zusammentritt, um die Papstwahl vorzubereiten. Die Generalkongregation tagt täglich im Apostolischen Palast und wird von Kardinaldekan Angelo Sodano geleitet.

Kongregationen, Geheimhaltungseid und Gebetsermahnung

Alle Kardinäle, die an der Generalkongregation teilnehmen, müssen mit einem Eid auf das Evangelium schwören, die geltenden Vorschriften zu achten und Geheimhaltung zu üben. Dies gilt auch für Teilnehmer, die älter sind als 80 Jahre und deswegen nicht mehr an der Wahl des neuen Papsts teilnehmen dürfen. Die Kardinäle schwören unter anderem, dass sie «alles streng geheim halten werden, was sich in irgendeiner Weise auf die Wahl des Papsts bezieht».

Auch einfachen Katholiken in aller Welt kommt während der Sedisvakanz eine Aufgabe zu. Sie sind angehalten, für eine rasche, einmütige und segensreiche Wahl des neuen Papsts zu beten. Der Vatikan geht davon aus, dass dies auf den März beschränkt sein wird. Bis spätestens zum 20. März, aller Voraussicht nach aber wesentlich früher, soll das Konklave aus nach jüngstem Stand 115 Kardinälen unter 80 Jahren zur Papstwahl zusammentreten. Bis Ostern soll der neue Papst feststehen. (wid/kle/sda/AFP)

Erstellt: 28.02.2013, 08:06 Uhr

Hat abgehoben: Papst Benedikt hat den Vatikan mit dem Helikopter verlassen. (Video: Reuters )

Sagt Adieu: Der Papst spricht vor den Kardinälen im Vatikan. (Video: Keystone )

«Reformstau sondergleichen»

Während seines knapp achtjährigen Pontifikats hat der Papst nach Ansicht des Schweizer Theologen Hans Küng wichtige Reformen verhindert. Sowohl unter dem Vorgänger Johannes Paul II. als auch unter Benedikt habe es einen «Reformstau sondergleichen» gegeben, sagte Küng dem deutschen Sender RBB-Inforadio.

Bei Fragen wie Empfängnisverhütung, Schwangerschaftsabbruch und Ehescheidung müsse sich die Kirche bewegen, um nicht noch mehr Anhänger zu verlieren. Der Riss zwischen Vatikan und Kirchenbasis sei grösser geworden. «Die Kirche ist jetzt in einer tiefen Krise», sagte Küng zum Ende des Pontifikats von Benedikt XVI weiter. Notwendig sei ein mutiger Nachfolger, um die Probleme zu lösen.
(sda)

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Der letzte grosse Auftritt von Papst Benedikt

Der letzte grosse Auftritt von Papst Benedikt Zehntausende Pilger und Schaulustige versammelten sich für die letzte Generalaudienz von Benedikt XVI. auf dem Petersplatz in Rom.

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