Polen verlegt Truppen nach Osten

Wegen der Gefechte im Nachbarland Ukraine zeigt sich Polen seit längerem nervös. Nun zieht die Regierung Konsequenzen für die eigene Armee - ein Bruch mit der Ordnung des Kalten Kriegs.

Mindestens drei Stützpunkte im Osten sollen verstärkt werden: Ein polnischer Soldat während einer Übung in Drawsko Pomorskie. (9. September 2014)

Mindestens drei Stützpunkte im Osten sollen verstärkt werden: Ein polnischer Soldat während einer Übung in Drawsko Pomorskie. (9. September 2014) Bild: Keystone

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Polen will wegen des Ukraine-Konflikts Tausende Soldaten an seine Ostgrenze verlegen. Dies kündigte Verteidigungsminister Thomasz Siemoniak im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AP an. «Die geopolitische Situation hat sich verändert», sagte er. «Wir haben die grösste Sicherheitskrise seit dem Kalten Krieg, und wir müssen daraus Schlüsse ziehen.»

Obwohl Polen 1999 der Nato beitrat, sind die meisten seiner 120'000 Armeeangehörigen immer noch entlang der Westgrenze stationiert. Dies ist ein Relikt des Kalten Krieges, als Polen zum Warschauer Pakt gehörte und die Nato als Feind ansah. Mit der Truppenverlagerung wird diese historische Ausrichtung grundlegend verändert.

Mindestens drei Stützpunkte im Osten des Landes würden verstärkt, sagte der Minister: Bis 2017 soll ihre Kapazität zu 90 Prozent ausgelastet werden - statt bisher nur zu 30 Prozent. Gleichzeitig werde auch mehr militärisches Gerät dorthin verlegt.

Eine «Situation der Bedrohung»

Die Auslastung zu nur knapp einem Drittel an Standorten wie der Luftabwehreinheit in Siedlce war bisher in der militärischen Planung so vorgesehen. Nur für den Kriegsfall galt, dass 100 Prozent der möglichen Soldaten an die Stützpunkte verlegt werden.

Siemoniak sagte, die Entscheidung sei nicht nervös oder radikal. Vielmehr gelte: Wegen dieser «Situation der Bedrohung hätten wir gerne, dass diese Einheiten im Osten Polens effizienter werden».

Die polnische Regierung äussert sich seit Monaten innerhalb von Nato und Europäischer Union besonders besorgt über die Ukraine-Krise. Mitte September hatte die neue Ministerpräsidentin Ewa Kopacz ihr Amt angetreten, weil Vorgänger Donald Tusk zur EU wechselt. Kopacz beförderte Siemoniak zu ihrem stellvertretenden Ministerpräsidenten - mit der ausdrücklichen Begründung, dass in «heutigen Zeiten» die Armee gestärkt werden müsse. (ajk/AP)

Erstellt: 27.10.2014, 15:28 Uhr

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