Politiker im indischen Nationalfernsehen vorgeführt

Ein Inder, dem Vergewaltigung vorgeworfen wird, hat den Ärger der Bevölkerung am eigenen Leib zu spüren bekommen. Derweil wurde eine Petition abgelehnt, die zur Suspendierung von Politikern berechtigen soll.

Wurde am staatlichen TV vorgeführt: Der indische Politiker Bikram Singh Brahma, dem Vergewaltigung vorgeworfen wird. (Screenshot: Youtube.com)

Wurde am staatlichen TV vorgeführt: Der indische Politiker Bikram Singh Brahma, dem Vergewaltigung vorgeworfen wird. (Screenshot: Youtube.com)

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Das Oberste Gericht des Landes hat eine Petition abgeschmettert, nach der Abgeordnete des nationalen Parlaments ebenso wie Volksvertreter in den einzelnen Bundesstaaten suspendiert werden sollten, wenn gegen sie wegen Verbrechen an Frauen ermittelt wird. Begründet wurde dies laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Press Trust of India mit fehlenden Befugnissen. Allerdings zeigte sich das Gericht heute offen für die Einrichtung weiterer Schnellgerichte zur Untersuchung von Vergewaltigungsvorwürfen. Im indischen Parlament sind insgesamt 42 Parlamentarier wegen sexuellen Übergriffen angeklagt.

Die indische Bevölkerung reagiert zurzeit sensibilisiert, was sexuelle Übergriffe gegen Frauen betrifft. Als Auslöser darf die Gruppenvergewaltigung einer 23-jährigen Studentin gesehen werden, die zurzeit weltweit für Schlagzeilen sorgt (Tagesanzeiger.ch/Newsnet berichtete laufend). Zu spüren bekam dies nun ein Politiker aus der Region Assam, dem die Vergewaltigung seiner eigenen Frau vorgeworfen wird.

In der Öffentlichkeit traktiert

Wie BBC berichtet, wurde Bikram Singh Brahma, ein Mitglied der regierenden Kongresspartei, öffentlich vorgeführt. Aufnahmen des nationalen Fernsehens zeigen, wie eine Gruppe von Frauen Brahma das T-Shirt auszieht, um ihn anschliessend mit Faustschlägen zu traktieren. Auch seine Partei hat inzwischen auf den Vorfall reagiert und den mutmasslichen Vergewaltiger suspendiert: Das ist eine widerwärtige Aktion, die bestraft werden muss, sagt der Vorsitzende der lokalen Regierungspartei gegenüber dem indischen Nationalfernsehen.

Grundsätzlich möchte nun auch Indiens Regierung die grassierende Gewalt gegen Frauen im Land «mit eiserner Hand» bekämpfen und so weiteren Verbrechen vorbeugen. Darüber hinaus kündigte Innenminister Sushilkumar Shinde heute an, das gesamte Justiz- und Polizeisystem nach dem jüngsten Vergewaltigungsskandal «auf den Prüfstand» zu stellen. Die Verfolgung von Missbrauchsfällen dürfe nicht länger verschleppt werden, sagte er bei einer Konferenz indischer Regierungsvertreter zum besseren Schutz von Frauenrechten.

Schnellanklage am Donnerstag erhoben

Am Donnerstag war vor dem ersten Schnellgericht dieser Art Anklage gegen fünf Männer erhoben worden, die eine 23-jährige Studentin vergewaltigt, zusammengeschlagen und nackt aus einem fahrenden Bus geworfen haben sollen. Die Frau starb später an ihren schweren Verletzungen. Ihren mutmasslichen Peinigern droht nun die Todesstrafe. Ein sechster Verdächtiger ist wohl noch minderjährig und dürfte deshalb vor einem Jugendgericht landen. (mrs/afp)

Erstellt: 04.01.2013, 19:50 Uhr

Infobox«Habe zu kämpfen versucht»

Der Freund der nach einer Gruppenvergewaltigung gestorbenen 23-jährigen Inderin hat sich knapp drei Wochen nach der Tat erstmals öffentlich geäussert. «Ich habe zuerst gegen die Männer zu kämpfen versucht und sie später immer wieder angefleht, sie in Ruhe zu lassen», sagte der junge Mann telefonisch der Nachrichtenagentur AFP.

«Die Grausamkeit, die ich gesehen habe, hätte niemand jemals sehen dürfen», ergänzte der 28-Jährige, der sich in der Stadt Gorakhpur im nördlichen Bundesstaat Uttar Pradesh befand. (AFP)

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