Proteste in Stuttgart arten aus

Bald sollen die Bagger beim umstrittenen Bahnhofsprojekt «Stuttgart 21» auffahren. Demonstranten ketten sich an die Bäume – und die Polizei setzt Wasserwerfer ein. Dabei seien zahlreiche Menschen verletzt worden.

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Bei der Räumung des Schlossgartens für das deutsche Bahnprojekt Stuttgart 21 sind am Donnerstag hunderte Demonstranten leicht verletzt worden. Die Polizei setzte Tränengas, Pfefferspray und Wasserwerfer ein, um sich den Weg durch den Park zu bahnen und Absperrgitter aufzustellen.

Fritz Mielert, ein Sprecher der «Parkschützer», sprach von 300 bis 400 Menschen, die bis zum Nachmittag leichte Augenverletzungen erlitten. Darunter seien auch Schüler, die am Vormittag an dem Protest teilgenommen hatten.

«Es sind Steine geflogen»

Ein Mädchen habe eine Gehirnerschütterung erlitten, sagte Matthias von Herrmann, ein anderer Sprecher der Demonstranten: «Es wurde kein Unterschied zwischen Jugendlichen und Erwachsenen gemacht.» Die Polizei konnte noch keine Verletztenzahl nennen. Es gebe aber auch Gewalt gegen Beamte, sagte eine Sprecherin: «Es sind Steine geflogen.» Ob dabei Polizisten verletzt wurden, konnte sie nicht sagen.

Die frühere Verdi-Landesvorsitzende Sybille Stamm berichtete von massiven Gewalteinsatz bei der Auflösung von Blockaden. Sie habe neben Demonstranten gestanden, die sich an einen Zaun gekettet hatten, und sei ohne Vorankündigung von Polizisten zu Boden geworfen, getreten und mit Tränengas besprüht worden. «Das habe ich seit '68 nicht erlebt», sagte Stamm der Nachrichtenagentur dpa. (oku/dapd)

Erstellt: 30.09.2010, 15:21 Uhr

Proteste erreichen Berlin

Der Protest gegen das umstrittene Bahnprojekt «Stuttgart 21» hat Berlin erreicht. Gegner des umstrittenen Bahnprojekts besetzten am Donnerstagnachmittag die baden-württembergische Landesvertretung im Berliner Bezirk Tiergarten. Wie die Sprecherin der Landesvertretung auf dapd-Anfrage mitteilte, handelte es sich um Mitglieder einer Besuchergruppe der Bundestagsabgeordneten Heike Hänsel (Linke). Sie hätten von ihrer Gruppe abgesetzt und auf einem Balkon der Landesvertretung ein Banner entrollt. Zwar sei die Polizei eingeschaltet worden, nach friedlichen Verhandlungen seien die Protestierer jedoch nach etwa eineinhalb Stunden gegen 16.00 Uhr wieder abgezogen. Die Polizei nahm die Personalien der Besetzer auf.

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